Quién sabe?

In Wien gibt es zwei Dinge die man seinen Kindern außer Haus beibringt: Beobachte die Autos auf der Straße und auf dem Gehsteig die Hundekacke. Das eine ist überlebenwichtig. Das andere … irgendwie auch.

Auch wenn deine Ampel auf grün ist, schärfte ich meinen Mädchen ein, guck trotzdem. Rechne immer mit den Aussetzern, Fehlern, Drogenmissbräuchen und Blackouts der anderen. Vertraue nur dir selber. Trau nicht mal deinem Alten!

Als ich heute morgen auf dem Weg ins Geisteszentrum die 4-spurige Wiedner Hauptstraße queren wollte, kam vom Südhügel her die Ambulanz des Wegs, bretterte mit Blaulicht und Tatü über die kurvige Piste. Ein etwa 10-Jähriges Kerlchen kam auf seinem Scooter ebenfalls des Wegs und querte den Zebrastreifen, denn wir Pietoni hatten gerade Grün. Der Kleine, das erkannte ich, sah nichts, hörte nichts, er blickte traumhapert geradeaus, denn er hatte das grüne Licht erblickt und wixte nun seinem Unglück entgegen. Aber bevor es dazu kam, fuhr ich meinen linken Arm aus, diesen langen, starken Arm, und riss ihn zurück. Die Ambulanz wischte vorbei und ich sah noch, wie der Fahrer die Hand hob. Zum Dank, nehme ich mal an. Ich ließ den Kleinen los. Seine Miene war nicht einen Millimeter verrutscht. Er zockelte weiter Richtung Schule.

Ich bog in die Hartmanngasse ein und dachte, dass ich womöglich gerade einen ziemlich hässlichen Unfall verhindert hatte. Ich meine damit eine Sache, die man nie mehr vergisst und die eine Menge Leute ihr Leben lang unglücklich gemacht hätte.

Ja, vielleicht hätte es der Kleine ans andere Ufer geschafft, aber durch die Vollbremsung wäre die Ambulanz ins Schleudern gekommen und hätte mich erwischt. So hätt’s auch laufen können. Man weiß es nicht. Und man will es auch nicht wissen.

Dies bedenkend trat ich im Geisteszentrum den Ergometer in Grund und Boden um das Adrenalin zu löschen, und kam dabei zum Schluss, dass es mitunter nicht verkehrt ist, einem anderen zu helfen. Denn man weiß nie, ob es einen nicht selber erwischt, wenn man es bleiben lässt …
So ein Egoschwein war ich.

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