Die Schweiz, die Leber und Afrika

Vorhin im St. Gallener Denner (Discounter), fragte eine schwarzafrikanische Frau den bierkartonkarrenden Ladenschwengel in klar gebrochenem Schwyzertüütsch, wo denn hier die „Leber“ zu finden sei?
Dio cane, madonna spudellata, gute Frau; meine  liebe, süße, aber verwirrte Afrikanerin, sie fragen nach „Leber“? In der Schweiz?
Fragen sie doch mal bei Exlibris nach dem neuen Gedichtband von Jerk Götterwind?

Hier gibt es längst keine Leber mehr. Auch keine Lunge, keine Nieren, keine Thymusdrüsen, kein Hirn und kein Herz, keine Hoden und keine Kutteln; hier gibt es -wenns ganz schlecht kommt- ein Kotellett, ein Schnitzi vom Schwein, aber sonst nur -bitte sehr- Huftsteaks, Karresteaks, Entrecotes, Filets mignons, Rumpsteaks, T-Bones, Dry-aged beef. Dio rospo, questa e la svizzera, si manga carne fine, nix da Leber, die Leber ist längst auf dem Weg nach Afrika, in deine Hoemtown, liebe dunkelhäutige Frau, dort ist die Leber, zusammen mit dem Rest der Innereien, den Hühnerflügeln, Hälsen, Köpfen, Füßen, den Knochen und den Därmen, sowas essen wir hier nicht (mehr).

Wenn du Leber willst, liebe Frau, kauf dir ne Leberwurst und bete, dass da auch welche drin ist.
Oder eine Dose Hundefutter. Da stehen die Chancen gar nicht so schlecht. (Hab ich mir sagen lassen..)

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