Wir lieben Serner

In den letzten Tagen, gestern vielleicht, schrieben die Kollegen vom Franz Dobler Block über Franz Jung und, jetzt kommt’s, über Walter Serner. Grundgütiger! Wie erfreut wir von der Kulturredaktion die Hände hochrissen: Walter Serner! Tor! Tor! Tor!
War er nicht auch unser Gott gewesen, zumindest eine Weile? Vor vielen, vielen Jahren, als wir noch schwarzen Afghanen rauchten, die Haare lang und einen Brotsack trugen, und richtig Schiss hatten, vor großstädtischer Serner-Eleganz und Dandytum und wirklicher Gscheitheit. Walter Serner.

Ich wusste damals nicht einmal, dass er eigentlich Seligmann hieß und Jude war. Nur dass sich „seine Spur in Theresienstadt verlor“, und auch da waren sich viele von uns nicht ganz sicher, was das zu bedeuten hatte, so dumm waren wir.
Aber ich liebte Walter Serner. Zut!, sagte die Tigerin, und andere anregende Dinge mehr.
Serner, Roth et alliis, sie schrieben wunderbare, kompakte Romane, sie schrieben in einem dichten Stil, wie Boris Vian, sie laberten nie rum, brachten es immer auf den Punkt, sie hatten es eilig und  waren auf der Flucht, die Frauen waren verführerisch, der Pernod duftete, das Leben war gefährlich, und, vor allem, es war kurz.
Und sie hatten noch etwas: Autorenanstand.
Sie schrieben keine 700 Seiten Dinger, die den Leser zeitlich und finanziell an das eine Buch banden, sie ließen mit ihren 160 Seiten auch die Kollegen leben.

Dieser Tage kam einer der gefühlten tausend österreichischen „Starautoren“ mit einem 650 Seiten Oschi raus. (In Österreich heißt ein Laiendarsteller: „Hobbystar“.)
Nun ja, man kann es ihm ja schlecht verbieten.

Als Friederich Dürrenmatt einmal gefragt wurde, was er von Günther Grass halte, antwortete er, dass ihm Günther Grass zu wenig intelligent für dessen dicke Bücher sei.

Wir lieben Serner!

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