Erste Worte

Soll ich oder soll ich nicht?
Die ersten Worte nach so einem ausgefallenen Untergang, fallen einem schwer. Zumal es auch noch Weihnachten wird. Ein tolles Fest, dass ich jedes Jahr mehr zu schätzen weiß.
Seine philosophische Tiefe, etwa.

War es denn nicht Weihnachten, das mich lehrte, dass man nie bekommt, was man sich wünscht? Und dass man besser dran ist, sich gar nichts zu wünschen? Hat es.

Ich weiß nicht, ob es heute auch noch so ist. Meine Töchter wünschen sich Bücher und Filme. Ich hätte mir nie Bücher gewünscht. Die standen überall rum. Das ganze Jahr. Man musste nur eins rausnehmen und reinlesen. Ich wünschte mir Waffen und Pferde. Aber der siebenschüßige Karabiner stand im Schrank von meinem Vater, und die Pferde gabs bei einem Freund.

Weihnachten ist auch schön, weil die Leute, die sich gerne durch Massen anderer Leute durchpflügen, die können das haben. In der Mariahilferstraße, auf’m Kohlmarkt, der Kärtnerstraße, in der Favoritenschlucht. Dafür sind das Geisteszentrum und die Straßen in meiner Gegend, wie leer gefegt. So haben alle was davon. Die Konsumisten können sich austoben und ich, ich muss ihnen dabei nicht zusehen. Das ist schön. Danach liegen sie alle ermattet von Kaufen, Familienknatsch, Fressi und Saufi darnieder, und schon wieder gehören die Straßen mir allein. Fein.

Fressi und Saufi sind nicht so meins.
Ich geh ins Geisteszentrum, stemme Gewichte und fahre mit dem Rad auf dem Display blinkende Passtraßen hoch. Ich lese dabei das Feuilleton der Zeit. Nur auf Stufe 24 kann ich nicht mehr lesen, da mir der schwere Sand in die Oberschenkel rieselt, und ich mich echt quälen muss um durchzuhalten. Dann sackt das Ding eine Weile auf Stufe 14 ab, und ich bin 2 Minuten happy, bis es dann wieder bergauf geht. Und gerade dann, muss ich das Empfindsamkeitsgesuppe von Handke zum Suhrkamp-Ding lesen. Da rieselt kein Sand, aber das Getriebe wird von Vogelbeermarmelade versetztem Sägemehl verstopft. Aber dann ist das auch vorbei. Und alles geht wieder seinen Gang. Und alles geht wieder seinen Gang… seinen Gang…

Hallelujah! Hallelujah!

4 Antworten auf „Erste Worte“

  1. Auch in Kiel genieße ich die leeren Straßen. Hier konzentriert sich alles auf die Shoppingmalls und rundherum ist es leer. Das ist gut so!
    Wünschen? Ich weiß nicht. In 2012 sind so viele Wünsche in Erfüllung gegangen, da möchte ich eigentlich einfach nur dankbar sein.
    Den Handke-Artikel habe ich noch nicht gelesen. Aus gutem Grund, wusste schon das der mir auf die Stimmung drücken würde.
    Alles Liebe Karin

  2. ja, franz dobler. wenn man leere strassen sucht, findet man sie eigentlich immer und ueberall… die strassen, wo die armen wohnen, sind leider meistens menschenleer, und dort, wo die reichen einkaufen, ist es voll…

  3. Realitäten hin oder her – es gibt sie noch. Die leergefegten Straßen. Auch zu dieser Jahreszeit. Beruhigend. Dass es sie gibt. Man muss sie nur finden, besser gesagt, kennen. Sie sind unbezahlbar! Genug poetisiert. Macht´s es guat.

  4. was soll das, dieses geschwurbel von handke? das ist nur noch pure nostalgie. die dichter sind bettler, und die investoren sind die neuen koenige. wie sollte es anders sein bei den verlagen als im wirklichen leben…

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