Neid ist gut!

Wer hierzulande etwas kritisiert, zumal von unten nach oben, gilt als «neidisch». Von oben nach unten heißt dieser Neid «sachliche Kritik». So.

Die Neiddebatte. Die berühmte Neidkultur in diesen Landen. «Wir haben eine Neidkultur», sagen die Reichen und Schönen. Was meinen die damit? Sie meinen damit, dass der Neid der anderen eine Todsünde ist, und ihre Gier Zier.

Aber von Anfang an: Wir stammen alle von Kain ab. Abel hatte keine Zeit Nachkommen zu zeugen. Kain war neidisch auf Abel, weil Gott, das Arschloch, Abels Opfer mit Wohlwollen entgegen nahm, und Kains nicht. Aber Gott konnte man keins mit der Axt überbraten, der Arsch zeigte sich ja nie. Also war Abel dran.

Kain hatte einen guten Sinn für Gerechtigkeit. Es gab keinen verdammten Grund, warum Abels Opfer besser sein sollte, als seines. Okay? Gott war ungerecht. Das Leben war ungerecht. Kain war neidisch. Und der Neid ist emotionale Rebellion gegen die Ungerechtigkeit.

Heute wollen uns die Politiker, die Appeasmentideologen und Moraltheologen verkaufen, dass Neid nicht gut sei. Wir sollen nicht neidisch sein. Auch wenn das Leben andere auf Händen trägt und sie mit Anerkennung und Reichtum ausstattet, während wir keinen Job finden und vom Fusel saufen eine kaputte Leber haben. Nur kein Neid, heißt es.

Es heißt auch: «Das muss man neidlos anerkennen.»
Aber warum «neidlos»? Das schmälert doch die Anerkennung nicht, wenn ich eine Leistung «neidvoll» würdige. Im Gegenteil. Aber ich rede hier von Leistung. Das ist falsch. Wenn einem ein Erbe zufällt, steht dahinter keine Leistung. Und so verfällt es sich mit fast allem. Keine Leistung. Nur Standort-Glück.

Das Leben ist ungerecht. Der Neidische weiß Bescheid. Neid ist wie Angst: In Maßen eine gute Sache.

Ich gestehe: Ich wäre gerne ohne Neid. Aber ich wäre auch gerne gelassen, reich und beliebt. Gutaussehend, jung und der beste Schreiber der Welt. Bin ich es?

Und darum sage ich, ein Wort Gordon Geckos aus «Wall Street» abwandelnd: «Neid ist gut!»

Er verhindert, dass wir uns mit den Ungerechtigkeiten abfinden.

4 Antworten auf „Neid ist gut!“

  1. Neid ist nicht Habgier und Neid ist nicht Missgunst.
    Neid ist das Verlangen, Dinge zu vernichten, an denen man nicht teilhaben kann. (Die etymologische Wurzel ist: Tod). Insofern stimmt das mit ‹oben› und ‹unten› nicht. Selbst ein Bettler, der sich mit seinem Los abfindet, kann beneidet werden von einem Reichen, der sich mit seinem Los nicht abfindet.
    Ich bitte um Verzeihung, wenn das jetzt etwas schulmeisterlich daherkommt, aber ich bin tatsaechlich der Meinung, dass es das einzige Problem ist, an dem unsere westliche Kultur leidet.
    Ich stamme nicht von Kain ab und schon gar nicht von Abel.
    Euer
    Rabl

  2. Was mich am meisten stört, ist die Gleichsetzung von Neid und Missgunst. Nur weil ich neidisch bin, weil jemand mehr hat, besser ist, tralala bedeutet es ja nicht, dass ich es ihm missgönnen, sondern nur, dass ich es mir auch gönne.
    Alles Liebe Karin

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