„… sein kostbares Pulver zu injizieren.“

Einmal schickte ich ein unfertiges, schlampig überarbeitetes Typosskript an den Verlag und erhielt vom Lektor den Bescheid, dass das Ding „eine Menge schiefer Bilder und falscher Metaphern“ enthalten würde. So kann’s gehen. Das Typos kam zurück. Richtigerweise. Es hätte aber auch in Druck gehen können, und ich hätte  den Büchnerpreis gekriegt.

Lief aber nicht so. Es lag vielleicht daran, dass ich keine dreiteiligen Anzüge trage, kein katholischer Ayatollah, kein Kämpfer gegen Blasphemie, und kein Bildungsscheinriese, mit einem Wort: dass ich nicht Martin Mosebach bin, jener Büchnerpreisträger, der nicht schreiben kann, und neuerdings Blasphemie hart bestraft sehen möchte. Vermutlich muss der Blasphemiker alle Mosebach Bücher lesen.

Das Schöne an jeder Giftpflanze: das Antidot wächst gleich daneben. Und wer sich auf Niveau köstlich amüsieren möchte, sollte folgenden Link anklicken (oder was auch immer):

http://jungle-world.com/artikel/2008/05/21117.html

Der Mann, der Autor, Peter Dierlich mit Namen, der sich Mosebachs Roman „Ruppertshain“ annahm, dieser fast 500 Seiten Schmonzette, in der sich Leute „kostbares Pulver injizieren“, dieser Mann ist so wunderbar klug,  gebildet und sprachgewandt, wie er von Mosebachs Geschwurbel angewidert ist.

Lest es. Es ist heilsamer Litera-Rock’n Roll.

3 Antworten auf „„… sein kostbares Pulver zu injizieren.““

  1. gute frage.
    baselitz war erst verdammt, dann gelobt. das gelobt werden hat wohl seinem werk, wie dies so oft zu geschehen scheint, nicht nur gut getan. bilder werden nicht besser, indem man sie auf den kopf stellt. aber „die nacht im eimer“ gefaellt mir nach wie vor.

  2. „es gibt gelobte und verdammte kuenstler. und die gelobten kuenstler sind meist verdammt schlechte kuenstler.“
    georg baselitz
    und da habe ich nichts beizufuegen…

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