Es wird ernst

Als ich gestern im Geisteszentrum – wo ich nun täglich entweder auf dem Fahrradergometer oder an den Gewichten zugange bin – das Feuilleton  der „Zeit“ las, wusste ich sofort, dass da etwas nicht stimmt.
1500 Autoren unterzeichneten einen Aufruf. Für was, gegen was? ischt erst mal wurscht, denn wenn 1500 Autoren etwas unterschreiben, dann ist etwas faul. Aber der Form halber: „Wir sind die Urheber.“ hieß das Ding.

Nona, das Urheberrecht. Die Brötchen. Und so. Klar, sie haben ja recht. Da geht mächtig was den Bach runter. Aber meiner Erfahrung nach, helfen in solchen Fällen Unterschriften nicht viel. Und wenn man die Namen der Unterzeichnenden liest, dann denkt sich der eine oder andere Neidist (wie ich): nur zu, ihr anonymen Umsonstoholiker, hinweg mit den Urheberechten: Martin Walser, all you can read! Bitte sehr, und zwar gratis. Oder Daniel Kehlmann. Oder Elke Heidenreich: all you can hear! (Für diejenigen, die es ertragen können, und ein paar Ersatznerven auf Lager haben.)

Alle haben sich versammelt und kämpfen für „eine historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit“. Ich gehe 1:10 Wetten ein, dass ein Großteil der älteren Unterzeichner jeden, aber gar jeden, der ihnen vor noch nicht allzulanger Zeit unterstellt hätte, für eine „bürgerliche Errungenschaft“ einzustehen, zumindest vor den Richter gezerrt, geohrfeigt oder richtig süffig gemobbt hätten. Aber so ändern sich die Zeiten. Geht mir auch so.

Wie proletete schon Jim Morrison, und wir mit ihm: „We want the world, and we want it now!“
Von Urheberrecht hat er nichts gesagt. Und so sehr mir die anonymen Umsonstoholiker mit ihren Forderungen zuwider sind, so zuwider sind mir die Urheber mit ihren.

Tja, das sieht nach was griechischem aus (wie anderswo auch). Ein Dilemma.

Abwarten und sich fit halten. Man weiß nie, wozu es noch mal gut ist.

(Aber die „Zeit“-Beilage möchte ich allen Kollegen ans Urheberherz legen.)

Eine Antwort auf „Es wird ernst“

  1. Ich bin für feudale Freiheit gegen bürgerliche Abhängigkeit!
    Ebenfalls in jenem Feuilleton: Grant. Ein Buch übers Granteln. Brauch ich nicht, weiß wie’s geht!
    @andreas
    Schöne webseite.

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