JA zum Buch? Klar, aber …

FAST EIN PAAR GEDANKEN ZUR BUCHPREISBINDUNG:

Am 11. März wird in der Schweiz über die Wiedereinführung der Buchpreisbindung abgestimmt. Die Kampagne der Befürworter, vor allem die des Buchhandels, läuft auf Hochtouren. www.ja-zum-buch.ch wirbt mit einer etwas verhärmten Heidi, die rütlischwurmäßig ein Buch in den veralpten Himmel reckt, für die Annahme der Initiative. Für „Die Buchvielfalt. Gegen den Discountereinheitsbrei“. Im Hintergrund tollt der Geißenpeter mit seinen Lieblingsziegen vor der hübschen Skyline einer Stadt, die vor der Skyline der Alpen prangt, herum. Sieht aus wie SVP-Werbung gegen das „Ausländerbuch“ resp. JA für das Schweizerbuch.

Ich bin mehr als einmal angefragt worden, ob ich nicht, als Kleinverleger und Autor, den Komitées beitreten möchte. Wollte ich nicht. Ich wollte auch keine rührenden Geschichten über die an der Buchfront aufopfernd kämpfenden Buchhändler/Innen verfassen, über die Buch-Davids, die sich heroisch gegen die drögen Discounter-Goliaths stemmen, jene Branchenriesen, die die Bestseller zu Schleuderpreisen rausjassen, aber ihre Marge auffetten indem sie (z. B.) auf die Bücher des Pimperl-Verlags Songdog, richtig was draufhauen. Und zwar soviel, dass niemand mehr sie kaufen will, die Songdog Bücher. Das hat, wie wir gleich sehen werden, auch noch andere Gründe.

Aber ich bin solidarisch. Ich stimme mit Ja. Allerdings ohne tiefere Überzeugung.

Nicht selten treffen hier Mails oder gar Anrufe von kaufwilligen Kunden ein, denen der gute Buchhändler – der nun meine Solidarität einfordert – beschieden hat, dass nämliches, vom Kunden gewünschtes Buch aus dem Songdog Verlag überhaupt nicht lieferbar sei. Irgendwann fragt man sich, warum dem so ist. Und dann findet man heraus, dass sich viele Buchhandlungen kein VLB-Verzeichnis (Verzeichnis lieferbarer Bücher) mehr leisten, und nur noch in den Barsortimenten und Auslieferungen herumklicken und mauseln. Das ist nicht gut für Pimperl Verlage wie Songdog. Denn die können oder wollen sich oft den Killer-Bedingungen von Auslieferern nicht ausliefern. Dann merkt man auch, dass es einen Unterschied gibt, zwischen Buchhändlern und Buchverkäufern.

Ich kenne Buchhändler/Innen. Das sind Frauen und Männer, die dem Kunden jedes gottverdammte Buch besorgen, und wenn sie persönlich – weil es z.B. vergriffen ist – zum nächsten Antiquariat stiefeln müssen und dessen Ramschkiste durchwühlen. Bis sie es haben. Ja, solche kenne ich. Das sind Buchhändler/Innen.

Dann gibt es die Buchverkäufer/Innen. Das sind die Klicker und Mausler, und die, die noch nie etwas von einem Internet gehört haben. Außerdem sind es -anscheinend- funktionale Analphabeten, da es ihnen nicht möglich ist, den gesuchten Titel, den Autor, in eine Suchmaschine einzutippen und so den Verlag ausfindig zu machen. Der Kunde erhält lediglich den schnöden Bescheid: Nicht lieferbar. Und damit ist der Kunde weg. Nicht alle machen sich danach die Mühe und suchen selber im Netz.

Niemand, liebe Buchhändler/Innen, verlangt, dass ihr die Produkte des Pimperl-Verlags Songdog in euren Regalen stehen habt. Aber wäre es nicht angebracht, dass auch ihr euren Job ordentlich erledigt? Vielleicht auch mal einen Schritt neben den Barsortiment-Trampelpfad setzt, und dem Kunden dabei behilflich seid, dass er auch zu dem Buch kommt, dass er haben will? (Und es sind nicht die „großen Ketten“ die sich verweigern!) Es ist nicht so schwer. Bestimmt nicht. Und zudem, liebe solidarische Buchhändler/Innen, gibt es, auch wenn Sie direkt beim Verlag bestellen, dennoch Prozente, und das Buch ist innerhalb von 2-3 Tagen in Ihrem Laden, beim Kunden.

JA zum Buch. Auch für die etwas „Schwierigeren“. Okay?

2 Antworten auf „JA zum Buch? Klar, aber …“

  1. was ich eigentlich schreiben wollte und was dann seltsamerweise bei der uebermittlung verloren gegangen ist:

    ich habe letzten freitag die arena ueber die buchpreisbindung im schweizer fernsehen gesehen und war von beiden seiten nicht wirklich angetan. die einen, die gegner, wollen uns schlicht abschaffen, und die andern, die befuerworter, wollen einen zustand aufrecht erhalten, der sich so im zeitalter der globalisierung leider nicht halten laesst. also sind im grunde beide positionen unbefriedigend.

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