Block Nr. 497

GRIECHISCHE GESCHICHTEN

Anfang der neunziger Jahre. In einer Hafenstadt im Norden Kretas. Ich hatte ein Ticket für eine nächtliche Überfahrt nach Piräus gekauft, und mir den Luxus eines Bettes in einer 4-er-Kabine geleistet. Das war hinausgeschmissenes Geld, wie sich herausstellte. 3 dicke Griechen kamen rein, warfen sich in Klamotten auf die Betten und schnarchten los. Aber so richtig. Es machte mich verrückt. Es war wie im Knast. Ich bastelte mir aus Klopapier und Olivenöl Ohrstöpsel. Half’s was? Ein bisschen.

Die Fähre legte an. In Piräus war es Nacht. Ein Meer von Taxis am Pier. Davon hatte ich auch nichts gewusst. Ich musste zum Busbahnhof, den Bus kriegen, der mich rechtzeitig nach Patras zur Fähre nach Trieste brachte. Es war vier Uhr morgens. Taxifahrer keilten Kunden. Einer keilte mich. Er konnte nur griechisch. So ein bisschen konnte ich auch. Leoforio, heißt Bus. Ich wartete. Er holte sich noch zwei Mitfahrer dazu. Finstere Kerle, wie zwei Typen aus der Kneipenszene von „Sorbas the Greek“.

Es ging los. Ich saß vorne. Die Typen in den abgewetzten Anzügen im Genick. Keiner sagte ein Wort. Der Tag graute und zog ein in den Müll der Athener Vorstadt. Schlote rauchten am Horizont und blinkten Rot. Der Taxameter tickte laut wie ein Filmbombe.

Am Busbahnhof hielt das Taxi. Auf dem Taxameter waren 200 Drachmen. Der Fahrer holte meine Tasche aus dem Kofferraum. „Thio Chilies“, sagte er. (Zweitausend!!). „Ochi“, sagte ich, „Thio Kosja“. – „Thio chilies.“ Die Anzüge hatten sich zu uns umgedreht und blickten finster durch die dreckige Heckscheibe. Ich hatte mein kleines Notenbündel gezückt. „Thio chilies!“ Er hatte meine Tasche noch in der Hand.

Ich wurde gerade abgezogen. Was konnte ich machen? Nicht viel. Der Taxifahrer grinste wie Warren Oates in der Rolle eines Drecksacks. Die Anzüge miteinbeziehen? Vergiss es. Das war eine verschworene Gemeinschaft. Die teilten sich die Kohle. Ich meine, ich zahlte denen ihre Fahrt. Ich gab ihm die zwei Tausender. Die zwei Kerle drehten sich wieder nach vorne. Der Fahrer stieg ein, und ich stand im Morgengrauen am Straßenrand und fühlte mich gefickt.

Ich denke, ich hätte ihm nur die zweihundert geben sollen. Und dann sehen, was geschieht. Ich hätte kämpfen sollen. Zu spät.

Diese Szene geht mir in diesen Tagen oft durch Kopf und ich denke: Das habt ihr jetzt davon.

Eine Antwort auf „Block Nr. 497“

  1. Also das hätte ich auch gerne gesehen, wirst ja damals auch kein Zniachtl gewesen sein? Wäre sicher eine colle Story geworden.
    Aber wer weiß, wozu es gut war…

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