Serdar Somuncu und das Sandmännchen-Boxen

Bevor ich mir gestern das „Sandmännchen“ gab, in Form eines Boxabends des Fernsehboxstalls Sauerland, wo die heimischen Sieger nach den Kämpfen immer aussehen wie von Nazis im Bordstein gestiefelt, und die Verlierer, als wären sie gerade dabei sich umzuziehen, um mit ihrer Freundin schön essen zu gehen, sah ich zufälligerweise den Serdar Somuncu, den „Hassprediger“.

Und während das „Sandmännchen-Boxen“ von Sauerland (vorwiegend an Austragungsorten in Ostdeutschland) seinen grölenden Fans suggeriert, dass man auch mit zerschlagener Fresse, lockeren Backenzähnen, Cuts und Beulen ein Sieger sein kann, wenn man nur in der Heimat bleibt, die Ringrichter ein bisschen anfüttert und an Sauerland glaubt, so war der Vortrag von Serdar Somuncu der wirkliche Kampfabend: Obszön, brutal, aufrichtig, ungeschönt, klug und gscheit, dreckig, ehrlich, hart und, natürlich, zum Wiehern; ein Bursche, der Serdar, der niemals in die Mario Bart Show eingeladen wird, Lenny Bruce-mäßig, kurz: Klasse.

So weit ist es also schon, dachte ich, dass die Comedians härter als die Boxer sind, aber vielleicht war das schon immer so, und ich habs einfach nicht bemerkt. Wie so vieles.

Heute morgen ging mir dann wieder mal das verdammte schöne Wetter auf die Nüsse, immer nur die gelbe Sau, das hält doch kein Schwein aus, und auf dem Weg zum Geisteszentrum erfreute ich mich wie immer am Park des Palais Schönburg, und dachte: Sonne nur bis zum Park, aber ab dann schön fies und grau und nieselig, bitte sehr. Aber davon wollte niemand was wissen, und für so eine Aussage sind schon Leute psychiatrisiert worden.

Und als ich dann austrainiert und schwitzend wieder zurück ging, kam ich zu jener Kreuzung Ecke Rainer/J.Strauss-Gasse. Da ist der Polizeiposten vom vierten Hieb, und einer der Insassen stand neben mir – gewandet in die sonntäglich frische Uniform -, die Ampel für Fußgänger war superrot, und ich wartete bis keine Karre mehr kam, und dann ging ich los. Würde er die Glock ziehen? Mich anrufen? Mir nacheilen? Mir eine Buße andrehen?

Aber der Freund und Helfer ließ mich ziehen. Das hätte mich mit dieser Stadt aussöhnen können. Für ein, zwei Takte. Tat es aber nicht, denn man weiß nicht, warum er nicht geschossen hat. Vielleicht hatte die Glock Ladehemmung? Vielleicht wollte er nur keinen Ärger mit einem schwitzenden, stinkenden, adrenalinauspumpenden 120 Kg-Ausländer oder es war ihm einfach voll-wienerisch wurscht.

Keine große Tat, fürwahr, aber ein bisschen, das gebe ich zu, tat es schon gut. Scheiß auf das dämliche Never-ending- Schönwetter.

2 Antworten auf „Serdar Somuncu und das Sandmännchen-Boxen“

  1. Armer Serdar…Linker UND Türke! Damit ist er den Türken und Deutschen unten durch. Zum Glück gibt es noch die Sarrazinisten (nennt man die so?) die glauben, er würde seine „Hasspredigten“ ernst meinen. Als Türke in Deutschland hat man gefälligst so zu sein wei Kaya Yanar, der ja irgendwie kein richtiger Türke ist, oder wenigsten so Fußi spielen wie olle Glubsch-Mesut!

    @niedermann: Es sind nicht die 120kg-Typen mit dicken Oberarmen die problematisch sind..mit denen hat man selten Stress. Die kleinen, drahtigen mit kleine-Männer-Syndrom, vor denen sollte man sich vorsehen..die bekommst du nicht mal mit ner Enthauptung ruhig gestellt! Schon mal gegen so einen Zwerg geboxt? Ekelhaft sowas!

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