Nur ein Satz

Als man Saddam aus seinem Erdloch zog, und ein US-Arzt mit diesem Riesenohrenstäbchen in seinem Mund herumfuhrwerkte, als wär der Diktator ein Obdachloser der in Verdacht stand, sich an kleinen Mädchen vergangen zu haben; und als man neulich den irren Camper aus der Kanalisation gefischt hat, wie einen flüchtigen Handtaschendieb, blutend, voller Angst und vollen Hosen, um sein Leben flehend, „Allahu akbar“ ausstoßend, und ihm dann einer oder zwei – oder noch mehr- in brodelnder Wut und Freude und Kriegswahnsinn ein paar Kugeln in seine Diktatorenleber und den Tyrannenkopf gejagt haben, ja, da regte sich Mitleid bei einigen von uns, und wir erkannten das Kreatürliche, das rein Menschliche, und dass auch ein mächtiger, folternder, tötender Scheißkerl nur ein Mensch ist und Angst vorm Sterben hat, und dann begriffen wir, dass aller Prunk und alle Macht „Haschen nach Wind“ (Prediger Salomo) ist, und uns beschlich ein seltsames Gefühl während sie im Fernsehen von „Würde“ sprachen, und als wir danach auf die Straße gingen und ein Stück Flüchtling an uns vorbeischlurfte und uns mit erloschenen Augen ansah, dachten wir: „Der kommt auch nur her, um sich in die soziale Hängematte zu legen.“

(Diesen Block schrieb der Autor wie Melinda Nadj Abonji)

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