Block Nr. 493

Gut, ich seh’s ein. Kein Preis für mich. Vermutlich nicht mal Hass. Warum auch? Hassen ist anstrengend. Und warum sollte man mich hassen? Für die beinahe 800 Narrenblocks? Ach nee, die Zeiten sind vorbei.

Als Friedrich Dürrenmatt in den siebziger Jahren einen großen Preis erhielt, sagte er in seiner Rede (sinngemäß): „Mit Preisen verhält es sich wie mit den anderen Dingen im Leben auch: Man bekommt sie erst, wenn man sie nicht mehr braucht.“ Und er vermachte die Penunze einigen seiner Kollegen, die gerade harte Zeiten durchmachten. Sergius Golowin, Niklaus Meienberg, Matthias Diggelmann und anderen quertreibenden Journalisten und Schriftstellern.

Ich war beeindruckt. Zum einen von der Tatsache, dass Dürrenmatt, ein weltberühmter Autor in seinen Fünfzigern, offensichtlich nicht mit Preisen zugeschissen wurde, zum anderen von seiner Solidarität und Großzügigkeit, seinem Gefühl für gut platzierte Seitenhiebe in die osteoporösen Rippen des etablierten Literatur-und Journalbetriebs. Das hatte Klasse. Gibt’s sowas heute noch? Wann das letzte Mal gesehen?

Neulich erhielt ein alter Bekannter von mir einen Anerkennungspreis (oder so). Dem Vernehmen nach soll er auf die Bühne geschlurft, Danke ins Mikro gemurrt haben, und wieder abgegangen sein. Das ist nicht schön. Das ist auch nicht provokant, wie es ebenfalls nicht provokant ist, jemandes Gedichtvortrag lautstark zu unterbrechen um des Langen und Breiten kundzutun, dass man mal muss. Es ist nur distanzlos, ziemlich nervtötend, illoyal und kindisch. Wenn ich einen Preis erhielte, würde ich eine schöne Oscar-Dankesrede halten.

„Als erstes möchte ich mal meinen Eltern danken, die so gut GV gemacht haben, dass ein solch leuchtendes Genie dabei entstanden ist. Dann danke ich auch meinen Feinden, jenen, die mir dringend geraten haben, die Schreibmaschine zu verschrotten, und die mich nun um Texte anbetteln um damit ihre Bücher zu füllen. Ich danke allen, die niemals an mich geglaubt haben, und all denen die mich verachtet, geschlagen, verstoßen, schikaniert, entlassen, verjagt, besoffen gemacht und abgelehnt haben. Ich danke den Dealern. Meinem Weinhändler und natürlich meinem behandelnden Nervenarzt. Und vor allem danke ich euch, liebe Jury, dass ihr es endlich geschafft habt, einmal etwas Richtiges zu tun. Betrachtet euch als gefickt!“

(Diesen Block verfasste der Autor wieder einmal wie Thomas Bernhard)

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