Der Kaputtnik

Natürlich habe ich, ganz neidischer Kaputtnik, unrecht. Jean Ziegler hat recht. Der Papst auch, die Katholen sowieso. Aber wie können beide recht haben? Der Papst will, dass wir uns vom Materialismus abwenden, von der Hurerei, der Gier, dass wir den Zusammenhalt hochhalten, den familiären, den glaubensgemeinschaftlichen. Dagegen lässt sich nicht viel sagen. Jean Ziegler ist Materialist. Ein Ideologe, wie der Papst. Er will, dass diejenigen, die ihren Reichtum auf Kosten von Schwachen und Ohnmächtigen angehäuft haben, diesen wieder umverteilen. Beide haben recht. Beide nerven. Sagt zumindest der Kaputtnik. In Madrid halten die einen, die Katholen, Antiabtreibungsplakate hoch, die anderen, die Indignierten, kontern mit Kondomen, die sie wie Kreuze beim Exorzismus den Plakaten entgegenstrecken. Der Kaputtnik grient. Der Manichäismus, der Dualismus dieser Welt, geht ihm auf den Sack. Und ebenso die Aussicht in eine Double-dip-Rezession hineinzulauern. Der Kaputtnik weiß, dass mit einem Schlag alles aus sein kann (und höchstwahrscheinlich auch sein wird). Die Krise, you know. Die wir jetzt als verdammte Teuerung wahrnehmen. Man könnte wieder mal die apokalyptischen Poeme des großen C. H. Bukowski aus den Sechzigern lesen. Da kriegt man Gänsehaut.

Oder sich an Louis-Ferdinand Destouches halten, der einmal, sinngemäss, sagte, dass die Welt so ein trauriger Ort sei, weil alle immer recht haben. H. Miller riet er:“Verstehen Sie es, im Unrecht zu sein.“ Aber das ist lange her. Alles. Heute predigen alte Männer den Aufstand des Gewissens und andere alte Männer den Verzicht. Junge Männer plündern und morden, und wenn man die Glotze anwirft, sieht man nur noch Unterschichtsfernsehen. Übergewichtige Halbidioten die rumbrüllen und/oder sich darüber beklagen, dass ihnen die Gesellschaft nicht frei Haus den neusten Flachbildschirm liefert.

Aber auch für einen Kaputtnik wie mich, gibt es heitere Momente voll stiller Freude und Genugtuung. Nachstehender Link bescherte ihm solche. Er führt zur FAZ, und dort zu einem Test. Man kopiert einen seiner Text hinein, und die Maschine sagt einem, wie welch berühmter Schriftsteller/In man schreibt. Ich schreibe zum Beispiel wie Göethe, Rainer Maria Rilke, Nietsche und Maxim Biller.

Diesen Blogeintrag z.B., schrieb ich wie Rainald Götz. So à la „Loslabern“, schätze ich. Mal sehen, ob mich das wirklich aufbaut…

http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx

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