Empört euch! Aber richtig.

In den 80-er Jahren prangte das Sgraffito auf beinahe jeder Hauswand: Die Phantasie an die Macht! Fand ich irgendwie auch. Ich hatte jedenfalls nicht wirklich was dagegen, wobei mir nicht ganz klar war, was denn Phantasie so alles können könnte. Aber eines Tages las ich bei Jörg Fauser den Satz: „Die Phantasie an die Macht? Ja, vielleicht. Aber hat man dabei auch an die Phantasie der Folterknechte gedacht?“

Heutzutage heißt der adäquate Spruch: Empört euch! Vorgetragen vom greisen Stèphane Hessel, aus dem gleichnamigen Traktat, und dem Fernsehphilosophendarsteller Richard David Precht.

Nun denn. Empören wir uns. Wie Thilo Sarazzin (und andere). Über MIgranten die sich nicht integrieren wollen, über arabische Straßenbanden in Neukölln, über Gewalt an Schulen. Oder empören wir uns über die, angeblich faulen, Griechen. Es gäbe unter dieser Rubrik noch mehr zu vermelden. Aber ich glaube, dies ist die falsche Empörung.

Wenn wir uns empören, dann sollen wir uns über die Banken empören, die Israelis, die Bahnhöfe, die man einst gewollt und jetzt nicht mehr will, die Gentrifizierung der Städte; die AKW’s, die uns den Strom liefern, damit wir mit den neuen Elektrofahrrädern auf die Pässe fahren können, obschon uns normalerweise schon auf der Ebene die Luft ausgeht.

Es gibt, wie wir sehen, die richtige, und die falsche Empörung. Wie wir die unterscheiden können?

Da müssen wir halt den Herrn Precht fragen. Oder den alten Hessel. Schaltet einfach die Glotze ein und werdet Wutbürger. Aber vorher immer fragen, ja?

Eine Antwort auf „Empört euch! Aber richtig.“

  1. Fernsehphilosophendarsteller! Das ist gut. Das ist sehr gut.
    Wir sollen uns empören, schreibt Herr Hessel, und jeder denkt, der hat recht, weil sich jeder angesprochen fühlt. Wie gesagt: Jeder. Denn nur der Eigennutz zählt. Es gibt da sogar eine Formel für, aber die muss ich erst raussuchen. Kosten-Nutzen-Rechnung plus Verwandtschaftsfaktor. Wenn die nicht aufgeht, bleibt nur noch Wut. Und die ist ungesund.

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