Rückkehr eines Fußgängers

Kurz vor Rosenheim wurde der Himmel gleichmäßig grau und sah aus, als hätte Rin-Tin-Tin Humphrey Bogart die Hutkrempe abgebissen, und dann begann es zu regnen und ich sah zu, wie die resche Regenmaid mir das Zugfenster schraffierte und war augenblicklich glücklich. Die Klimaanlage pumpte den Duft nach hervorragend gekühlter Schweinejauche in die Waggons, Gülle on the Rocks, niemand redete, kein Handy spielte einen Song von Pink, die Mitreisenden sahen ernst und gefasst aus dem Fenster, eine geradezu menschlich anmutende Szenerie die den „bekennenden Misanthropen“ (©Bene M. Kramer) milde stimmte und auch hofffnungsvoll froh, denn es machte plötzlich den Anschein, als wär sie doch eine Möglichkeit, diese Menscherei, und als der Zug auch noch pünktlich war, schwang das Pendel meines Glücksgefühls bereits in Unschickliche. „Das musste jetzt aushalten, alter Sack!“, sagte ich zu mir, „NImm es, und schluck es!“

Dann sann ich über meinen alten Freund nach, der wie ich, ein Fußgänger ist, und dachte daran, was wir schon alles abgewandert hatten, immer wanderten wir, wenn wir uns sahen, und ich dachte auch, wie fein es war, einen Freund zu haben, dem es Freude machte stundenlang zum Biergarten zu gehen. Eine Rarität ohne Führerschein. Fußgänger (nicht Spaziergänger, nicht Nordic-Walker, Jogger, Pinguin-Watschler). Burschen, die die Welt auf ihren Beinen durchschritten, und dabei klug über die Probleme der Welt sprachen und dann gehörig dem großartigen bayrischen Bier zusprachen.

Manchmal lesen wir auch zusammen, mein Freund und ich, und die Lesungen gehen von „kaum zu überbieten“ bis „Naja“. Wenn’s „Naja“ wird, dann ist es mein Fehler. Kann sein, dass ich etwas im richtigen Mischungsverhältnis von Gehen und Bieren durcheinander gebracht habe. Unlust, Müdigkeit, Grant. Aber am nächsten Tag gehen wir schon wieder, und wir gehen das abverreckte Ding aus uns heraus.

Nach Rosenheim kam das bahnhoflose Salzburg und es begann richtig zu gießen. Eine Dose Bier kostete am Kiosk 2,70, und als ich im Zug nach Wien saß, sagte der Lautsprecher: „Meine sehr verehrten Damen und Herren. Auf Grund von Bauarbeiten in Deutschland haben wir leider eine Verspätung von 10 Minuten…“

Da wurde mir wieder bewusst, was die Deutschen vor einigen Jahrzehnten an den Österreichern wirklich verbrochen haben.

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