Henk’s Blog

QUATSCH MIT HENK UND HASS VOM FASS

1. Gewohnte Welt:

Also. Ich lag wie meistens in der sozialen Hängematte, wartete auf das Eintreffen der Notstand-Marie, und bildete mich weiter. Diesmal war es „Die Odyssee des Drehbuchsschreibers“ von Christopher Vogler, ein feines Büchelein, das mir zu einem fulminanten Start ins Leben eines Scriptschreibers verhelfen soll, denn ich habe vor, endlich reich und äußerst berühmt zu werden. Aber da ging das Telefon. Niedermann war dran. Wer sonst sollte mich stören, und meine Karriere behindern?

2. Ruf des Abenteuers

„Hör zu, mein lieber Henk, schwing die Hufe, es gibt einen Job für dich. Hol dir den Fuffi ab, und dann geht’s los: Society-Blog. Im Rabenhof. Buchpremiere von…“

Den Rest hab ich nicht mehr verstanden, vor allem, weil ich den Störer nicht ausreden ließ. „Wie wär’s wenn du mal mit dem Kristall vom letzten Mal rüberkommen würdest?“ Er sagte: „Du hast die Kohle bekommen, aber du warst besoffen und kannst dich nicht mehr erinnern.“

3. Zurückweisung des Rufs

„Leck mich, Niedermann!“

4. Die Meinung des Mentors

Na ja, ich ging dann in mich. Aber da war nichts. Wie bei den meisten. Darum finden sie sich auch nicht. Weil da nichts ist. Wie bei mir. Aber ich fragte mich, was der alte, leider viel zu früh dahingeschiedene Chazz dazu gemeint hätte, und ich hörte ihn fragen: „Magst du es, wenn viele, mittelalterlich Menschen, vorwiegend aus der Kulturbranche, in schwarzer Kleidung in einem dunklen Saal sitzen und atmen?“ Natürlich nicht. „Magst du es, wenn fremde Menschen dir aus fremden Büchern vorlesen und du dabei die Schnauze halten sollst?“ Was ne Frage. „Magst du Kohle, mit der du dir ne Extra-Flasche „Four Roses“ kaufen kannst?“ Ich bestellte ein Taxi.

5. Das Überschreiten der Schwelle

An der Kasse im Rabenhof hatten sie gerade ein Problem mit dem Ticketdrucker. Ich fragte irgendwas, und die beiden Girls fanden die Frage „cool“, und ich finde Girls cool, die Henk’s Fragen cool finden, und da standen wir Coolen, und warteten auf den schwuchtigen Drucker, damit er mir für die 15 Nudeln ein Ticket rausratterte. Der Fuffi war damit schon fast durch, und Niedermann hatte mir noch eine Zusatzaufgabe aufgebürdet: Ich sollte einen berühmten Schauspieler nach dem Schluss von „Der Aufschneider“, einem Fernsehfilm fragen, über den er sich in seinem Blog ganz schön das Maul zerissen hatte („Der Schluss aller Schlüsse“ vom 17. April 2010). Ziemliche Hacken für’n Fuffi. Da wird noch nachverhandelt werden müssen.

6. Proben, Verbündete, Feinde

Ich kaufte mir einen Plastikbecher voll pannonischer Naziplörre (burgenländischer Zweigelt), und begab mich in den Theatersaal. Der war voll, wie der Mund von John Holmes Filmpartnerin. Und ich abgestieselter Oldie hatte angenommen, dass so eine Lesung wie’n Rockkonzert funktioniert: Man steht rum und schlückelt die Plörre. Aber da war natürlich Bestuhlung. Nummeriert.

Dann ging’s auch schon los. Mit Dylan. Nix gegen Dylan. Obschon der alte Chazz mal gesagt hatte, dass dem Dylan „noch der Pisspott Amerikas am Arsch hängt“. Naja, da hat er’s gerade schwer gehabt, der Chazz, also wie gesagt, nichts gegen Dylan. Und während Dylan sein Girl besang, flickerte irgend so’n Artsy-Fartsy-Movie ab, und an 4 Tischen hockten vier Gestalten im Dunkeln, und als Dylan durch war, ging ein Spot an und irgend so’n Meister fing an, uns zuzutexten.

Es ging um einen Typen, der mit Taxis durch die Gegend fuhr, „boshafte Kämme“ oder sowas einpackte, nach Zürich flog, sich im „nervenden Gate E“ verhedderte, Hotels und überhaupt die Stadt hasste, das Fressen in der Kronenhalle beschissen fand, in „moderat geheizten“ Zimmern SMSse an eine Carmen schrieb, die nicht rausfinden durfte, dass er heimlich Dylan hörte. Oder so. Im meine, der Typ hatte echt Probleme. Und ich hatte die ganze Zeit über ein völlig unerkärliches Bedürfnis immer wieder mal: „Wo woar mei Leischtung!“ rauszuproleten. Aber ich verkniff es mir, dachte an den Four Roses, und hielt den Rand.

7.Vordringen zur tiefsten Höhle

Dann wieder Artsy-Fartsy-Movie, Song, Spot auf den nächsten Typen, eben den berühmten Schauspieler. Er las uns vor, wie der Kerle, Gruber heißt er, den Rasen mähte. Ein unbedarfter Autor (wie zum Beispiel Niedermann), würde das Problem gar nicht sehen und einfach schreiben: „Am Samstag Nachmittag mähte ich den Rasen.“ Nicht so unser Held. Der wusste das Rasenmäherproblem zu würdigen, ich meine, da wurde die verdammte Grausamkeit des Vorgangs nicht verschwiegen, sondern man schilderte uns sehr eindrücklich das Sterben jeden einzeln Grashalms, und was Gruber sich bei dem Mörderjob dachte. Ameisenscheiße und Affenarschloch, da könnte sich der Niedermann locker ne Scheibe abschneiden.

8. Entscheidende Prüfung

Die Lady auf dem Nebensitz bohrte mir während des ganzen Vortrags ihren spitzen Ellenbogen in die Seite. Ich überlegte, ob ich ihr meine heiße, schwielige Pranke aufs Knie legen sollte, um nun doch: „Wo woa mei Leischtung!“ zu brüllen, aber stattdessen stellte ich mir vor, wie beim wackeren Gruber die Szene ins Büchel gekommen wär:

„Die Dame, links von Gruber, bohrte ihm ihren heuchlerischen Ellenbogen in die Rippen. In die Rippen, dachte Gruber. Fies. Immer in die Rippen. Er könnte jetzt aufstehen, der Gruber, und rausgehen, der Gruber, und sich im runtergedimmten Licht des Foyers von der mälzigen Schönheit einen White Russian geben lassen. Das könnte er. Der Gruber. Oder er könnte Carmen eine SMS schicken. Carmen. Wo die wohl wieder war? In Caracas. Wär möglich. Sex mit Chavez. Dezenter Bluesrock unterm Rock. Oder in Moskau. Putins Horn blasen. Diese Carmen. Dieser Chavez. Dieser Putin. Was für eine Welt!“

9. Belohnung, Ergreifen des Schwerts

Dann war der Rasen fertig gemäht. Song, Artsy-Fartsy, Spot. Aber während ich in Gedanken mit dem Ellenbogen meiner Nachbarin beschäftigt war, hatte Gruber offenbar einen Sexchange vollzogen. Der erste Hinweis darauf, war die Frau mit Clark Kent-Brille. Es gab Appplaus. Es war die Autorin herself. Sie erzählte uns von Gruber, der nach dem Sexchange eine 37-jährige Frau war, die sich von krebskranken Porschefahrern vögeln ließ und schwanger wurde. Damit schien er ein Problem zu haben. Der Gruber. Wie mit dem Dylan-hören. Nur war es in diesem Fall der Porsche. Irgendwie. Denn Gruber als Frau, stand mehr auf Volvos oder so. Verwirrend. Und daher zog ich es vor, Schluss zu machen und einen Happen essen zu gehen. Und das tat ich dann auch.

Danach fragte ich den Schauspieler, der nun die Clark Kent-Brille der Autorin trug und aussah wie der alte Johnny Depp als der noch sehr jung war, nach dem Schluss von „Der Aufschneider“. Er sagte: „Es ist eine österreichische Lösung.“

Und das war genau die richtige Antwort, denn sie machte deutlich, dass Niedermann den Schluss nicht kapiert hatte, und einfach die Ironie nicht checkte (was ich im Übrigen immer wieder gesagt habe). Und dies werd ich der Pfeife so unter die Nase reiben, dass er glaubt, man ramme ihm ne Krenwurzel ins Loch.

10. Rückweg

Natürlich fand ich danach kein Taxi. Handy zu Hause gelassen. U-Bahn. (Aber diesmal ohne Ärger)

11. Auferstehung

Zu Hause lief TV. Nachrichten. Bericht von der Lesung.


12. Rückkehr mit dem Elixier

Die Autorin sagte im Interview: „Ich mag gebrochene Figuren.“

Das war mal ein Statement! „Ich mag gebrochene Figuren.“ Keine Ahnung, was eine gebrochene Figur sein soll, aber man hört das ja andauernd. Dann wird’s schon stimmen. Wenn ich, in naher Zukunft, ein berühmter und reicher Drehbuchautor sein werde, und man mir ein Mikro unter die Nase hält, so hab ich meinen Spruch schon parat: „Wissen Sie, ich interessiere mich eigentlich nur für gebrochene Figuren.“

Eine Antwort auf „Henk’s Blog“

  1. Sehr, sehr, sehr, sehr lustig! Ich hab auch schon einen Spruch, wenn ich einmal berühmt sein werde und mich ein Kerl nach meinen Figuren fragen sollte: „Jch mag gebrochene Finger.“

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