Keine Bücher, bitte

Zwei Fakten: 1. Österreich ist in der PISA-Lesekompetenz an drittletzter Stelle, letztes europäisches Land.

2. Der Buchhandel macht zur Zeit Rekordgewinne, und die Österreicher bezeichnen das Buch als ihr liebstes Verschenk-Geschenk.

So etwas mag ich. Diese Fakten lassen verschiedene Schlüsse zu. Einer davon ist (mein Favorit), dass die Bücher, die unterm Christbaum ausgepackt werden, einfach im Regal verschwinden. Ungelesen. Sind ja eh nur Bestseller.

Ich bin der Meinung, dass Bücher nicht gekauft und dann verschenkt werden dürfen. Man kann einem Freund sein eigenes Lieblingsbuch aus dem Regal ziehen und in die Hand drücken (So habe ich „Reise ans Ende der Nacht“ von Céline sicher schon 10 mal nachgekauft), aber man soll keine Bücher kaufen und verschenken. Außer, es wird ausdrücklich gewünscht. Ich verbiete mir jedes Buch beschenkt werden. Das geht mir zu weit. Ist zu intim. Kaum jemand weiß, an was ich gerade interessiert bin, und ob ich es dann auch noch bin, wenn das Buch bei mir ankommt.

Wer mir was schenkt, schenkt flüssigen Bernstein. Aus Frankreich, Spanien, USA, Schottland. Da liegt man immer richtig. Mais pas des livres. No books.

Und heute wird mir der Verleger in mir, ein paar auf’s Maul geben. That’s for sure.

5 Antworten auf „Keine Bücher, bitte“

  1. Literatur ist genauso eine Frage des Geschmacks, wie Schmuck. Nicht der Marktwert entscheidet über die Freude des Beschenkten, sondern das, was von Herzen kommt. Dieser Kommentar, Frau Völk, ist wert – und geschmacklos! Big sister is watching you!

  2. Zur dicken Lippe kommt dann doch wohl noch die Augenauswischerei hinzu?! Dem geschätzten Verschenker von privatem Eigentum muss doch spätestens nach dem 10. Celine klar sein, dass er diesen wahrscheinlich auch irgendwann verschenken wird, auch wenn er ihn für sich gekauft hat. Sorry, aber schwacher Versuch. Mir ging das auch schon mal so mit einem Buch – ich habe es inzwischen 4 mal nachgekauft. Für eigene Zwecke. Für mein Regal. Falls ich es mal wieder lesen würde. Oder: falls ich es mal wieder verschenken wollte. In 2 der Fälle hat man nicht so große Begeisterung gezeigt, wie ich es erwartet hatte. Das entspricht einem soeben gekauften geschenkten Buch.
    Wenn man jemandem eine Freude machen will, muss man auch mal was schenken, das einem selber nicht gefällt (z.B. Barbiepuppen). Andernfalls muss man in Kauf nehmen, dass der Beschenkte enttäuscht ist – das kann bei einem Buch durchaus mal der Fall sein. Muss aber nicht. Ein Buch schenken ist wie: lies mal, ich finde das so geil, ich habe alles begriffen, ich will, dass du weißt, was mir gefällt, wie ich ticke, was du lesen musst, um mich zu checken. Man will den anderen teilhaben lassen am eigenen Glück, gut, das ist nicht verkehrt, aber es ist auch eine Art von Besserwisserei: guck mal, hab ich entdeckt, du nicht. Egal, schenkt, was ihr wollt; aber für alle Männer, die nicht wissen, was sie ihren Frauen schenken sollen: wir Frauen sind bestechlich. Je teurer das Geschenk, umso breiter die Beine. Hallelujah!

  3. Was machst du bloß mit 10 Büchern von Celine, noch dazu mit dem gleichen Titel? Doch nicht etwa verschenken?! Ich persönlich bekomme wahnsinnig gerne Bücher gechenkt. Wenn auch „wahnsinnig“ ein etwas zu starker Begriff dafür ist, denn ich freue mich ebenso über Gold und Edelsteine, egal, ob flüssig oder fest.
    Nicht nur der Verleger in dir haut dir heut eins aufs Maul!

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