Die Gammler von heute

Als ich früher so herumgammelte, Magen und Taschen leer, übernachtete ich manchmal in Bahnhöfen, in Wartesälen. In besonderer Erinnerung ist mir jener von Firenze, weil hier eine besonders scharfe Bahnpolizei darüber wachte, dass Strolche meiner Provenienz, sich da nicht ein Gratisschlafplätzchen auftaten. Und ja: Es gab eine Menge Rucksacktouristen, die wohl das Gewicht der Welt auf dem Buckel trugen, aber deren Brieftaschen, so sie eine besaßen, dünn und schmal war, wie das Lächeln der Polizisten. Ich trainierte mir an, sitzend, die Arme auf meiner Tasche gekreuzt, zu schlafen. Und vor allem trainierte ich mir an, sofort wach zu sein, wenn die Jungs mit den lockeren Stiefelspitzen -die sie gerne in Tramperrippen versenkten – den Warteraum betraten. Wer keinen Fahrschein besaß, flog. Aber da ich wach war, und sitzend angetroffen wurde, richtete keiner der Stiefelknechte jene verhängnisvolle Frage, die eine Nacht im Freien oder was weiß ich wo bedeutet hätte, an mich. Wach sein wirkt seriös. Sitzen ist unverdächtig. Rucksack: Alarm. Tasche: Tutto a posto! Das Aufregende daran war, dass ich wirklich bei jeder der nächtlichen Kontrollen sofort wach wurde. Wie ein verdammtes, wildes Tier. Und um weiter von mir abzulenken, suchte ich den Augenkontakt mit der Bullerei. Warum? Kein Delinquent tut das. Natürlich. Die rausgeschmissenen Rucksackies taten mir leid. Zumindest ein wenig. Aber es waren halt Amateure. Sie erhielten die Chance zu lernen.

Aber eigentlich wollte ich nur berichten, wie sehr mich die täglichen Bilder aus den Flughäfen Europas an jene Zeit erinnern. Nur mit dem Unterschied, dass heute niemand mehr eine Fahrkarte zu haben scheint. So wie die da überall rumliegen.

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