Sunday morning comin‘ down

Ein alter Knipper mit dürrem Geäst textet am Kniebeugenständer einen jungen bebrillten Schwarzen zu, und ich höre im Vorbeigehen naineleven, world trade center, und gehe schnell weiter, denn hier ist Wien, auch wenn es im Geisteszentrum ist, und ich will mir nicht anhören was alte Knipper zu naineleven zu vermelden haben, denn das kann ich mir einfach denken oder noch besser: nicht denken, denn ich will es nicht wissen.

Im Park des Palais Schönburg sind die Äste der Bäume entblättert, und Familienverbände von illegal eingereisten russischen Saatkrähen haben darauf Platz genommen und krähen und krächzen was-weiß-ich-was in den grauen aller grauesten Morgen, und bei den Krähen – im Gegensatz zu alten Knippern – möchte ich gerne wissen, was die zu vermelden haben, aber ich kann es mir denken, und ich lache dabei in mich hinein.

Im Nadelöhr der Rainergasse ist ein Zeitungsdieb unterwegs, ganz original mit Tschik in der Pappen, Trainingshose aus „Billig und Gut“, die seine X-Beine wunderhübsch betonen, der Pinscher an der Leine wässert den Fassadenputz während Herrchen sich „Österreich“, die „Kronenzeitung“ und noch ein weiteres Herzblatt abgreift, sie alle zusammenrollt und in seine subventionierte Gemeindebauwohnung verschwindet. Er sieht aus wie 74, macht auf 30, ist aber 45 und seit 3 Jahren in Pension, und ich folge ihm in Gedanken in seine Schweinsbraten durchfurzte Wohnung, wo er zusammen mit Hundi lebt, den er als einzigen auf der Welt lieb hat, weil der ihn nie betrügt und immer so dankbar schaut, wenn er ihm eine neue Dose gegrillten Neger aufmacht.

Ich fühle mich gut. Ich kann mich kraftmäßig immer noch steigern. Es geht auch sonst aufwärts. Denn als Kathole dürfte ich, falls ich ein Stricher wär, ein Kondom benutzen. Hat der Papst gesagt. Aber ich als notorischer Zyniker, erlaube mir die Frage, ob diese neue Lockerung der Sitten zum Schutz der Priester gedacht ist?

Heute gibt es Kartoffelsalat, der hier explizit „Erdäpfelsalat“ heißt, mit Pangsasiusschnitzel und Hühnerknuffties. Aber nicht für mich. Für mich gibt es Obstsalat und Nüsse. Ich bin auch hier nur der Koch.

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