Bravo, Schweizer!

Als in den siebziger Jahren der russische Dichter Alexander Solschenyzin aus den Gulags entlassen wurde, führten ihn seine Reisen auch in die Schweiz. Überliefert ist jedenfalls, dass er die Schweizer als „bornierte Lakaien“ bezeichnete, was den damaligen Lautsprecher der „Vox populi“, die Boulevardzeitung „Blick“ veranlasste, Solschenyzins Steuererklärung zu publizieren. Meine Güte, was haben wir gelacht! Diese Hilflosigkeit war geradezu anrührend. Die Steuererklärung! Sie belegte, dass der Russe mit seinen Büchern (auch in der Schweiz) Geld verdiente. Und wer die Schweizer kritisiert, muss bettelarm sein. Oder wie? Oder was?

Nun hat eine Rechts-Partei bewiesen, dass es unter Einsatz von zweistelligen Millionenbeträgen möglich ist den öffentlichen Raum ganzflächig mit dämlichen und reißerischen Plakaten zuzukleistern, und damit einen grenzgenialen Abstimmungssieg einzufahren: 52,9 %. Sapperlot aber auch! Und das bei einem Orchideenthema wie Ausländerkriminalität! Bravo,kann man da nur rufen. Wer hätte das gedacht?

Im selben Abstimmungszug kauerte dann auch noch die „Steuerinitiative“ im 1. Klasse Abteil und kaute auf den Fingernägeln rum. Sie sollte den Steuervorteilswettbewerb der Kantone etwas regulieren. So was kommt nicht gut. Vor allem nicht in jenen Kantonen (Urkantone genannt), die sich am meisten ins Zeug legen, um die kriminellen Ausländer „auszuschaffen“. Das ist nur logisch und folgerichtig. In der Schweiz will man nicht, dass reiche Russen mit der Herzensbildung von Zuhältern und deren Dämchen im Schlampenpelz, von armen Ausländern möglicherweise noch bestohlen werden. So fügt sich eins ins andere. Und der Weltwoche Verleger Roger Köppel wird wieder durch die deutschen Talksendungen tingeln und den „Schwooben“ wortreich die Segnungen der direkten Demokratie ans Herz legen, derweil in seiner Heimat, im Parlament, darum gerungen wird, wie man dem scheel blickenden Ausland irgendwie verklickert, dass man jetzt leider, leider, den Schwarzfahrer aus Hamburg, den Ladendieb aus Mailand, den betrunkenen Pistenrowdy aus Schweden, wieder nach Hause schicken muss. Forever.

Oder doch nicht? Oder wie oder was?

Jedenfalls: Bravo!

2 Antworten auf „Bravo, Schweizer!“

  1. leider hattest du nicht recht mit deiner felsenfesten ueberzeugung, dass die ausschaffungs-initiative nie durchkommen wird… soll ich nun auswandern?

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