Der Preis der Worte

Heute kam der „Aushänger“ von einem Gedichtband aus der Druckerei. Verspätet, aber die haben jetzt ordentlich zu tun. Herbst. Buchmesse. Ich las in dem Buch herum. Ja, es sind gute Gedichte. Sie handeln von jenen Dingen, von denen Gedichte so handeln: Von Liebe und Tod. Von Hass, Wut und verpufften Illusionen. Von Freundschaft, Trinken und Hunden. Die Dichter sind jung. Der Ton ist cool, konzentriert. Manchmal etwas zu sehr. Und es erinnert mich an eine Zeit, als ich selber solche Gedichte geschrieben habe. Immer gleich das stärkste Wort, das wildeste Adjektiv und das überbordende Adverb.

Aber wie auch immer. Später merkte ich, dass ich für viele dieser Worte noch nicht bezahlt hatte. Und komisch: Man merkte es ihnen an. Sie stachen irgendwie raus. Als hätten sie ein Schild umgehängt: Leihgabe. Noch zwanzig Raten ausstehend.

Manchmal mag man gerne etwas posieren. Das ist nicht schlimm, aber es ist auch nicht gut. Und ich sage es euch: Man merkt es jedem Gedicht an, wenn die Worte auf Heller und Pfennig abbezahlt sind. Dann sagt niemand mehr was…

3 Antworten auf „Der Preis der Worte“

  1. Das mit dem Schild „Leihgabe“ ist gut gesagt, gut getroffen. Ich habe nun einige Zeit keine Gedichte mehr gelesen; stark beeindruckt war (bin) ich von Richard Leising, von dem sich bestimmt sagen läßt, daß er seine Worte abbezahlt hat. Ob Thomas Kling Recht hat, der sagte, Gedichte müßten etwas Schwarz unter den Nägeln haben, weiß ich nicht. Schaden kann es nicht. (Wenn es keine Pose ist.)

  2. „Pleite“ ist nicht abendfüllend. Ebenso wenig wie ein leeres Konto. Über das verfügt Hinz und Kunz, und meist noch überzogen.
    Und unter einer „leeren Seele“, kann ich mir nichts vorstellen…

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