Futblog ll

Wer wie ich, nach einem 35 Gradtag voller Arbeit, des Abends ein bisschen Bewegungslosigkeit suchte und sich zu diesem Behufe auf die Couch fläzte, um seinen Schädel von allerlei Literarischem und/oder falschen Syntaxen, schiefen und nicht so schiefen Bildern, Metaphern, Synonymen und kaputten Sätzen, zu reinigen und die Glotze einschaltete, erfuhr Seltsames.

Denn auf einigen Sendern erscholl eindringlicher Lärm, ein Brausen wie in Jüngers Hornissen hob an und man hielt automatisch Ausschau nach der fledermausgroßen Stubenfliege, die stur und zornig, durch ein geschlossenes Fenster den Weg nach draußen suchte. Nur, diese Fliege war nirgends auszumachen.

Der geneigte Futbol-Kucker weiß natürlich sofort: Das sind die Vuvuzelas, jene genialen Hörner, deren Einton-Strategie jeden Fußballfan immer wieder aufs Neue entzückt. Sie entfachen nebenbei auch noch den stupidesten Stadionlärm seit der Erfindung des Presslufthammers. Wobei man hier dem Presslufthammer ein wenig Unrecht tut, denn der nimmt sich gegen die Tausendschaften von Vuvuzelas aus, wie die Wiener Synphoniker gegen ein ad hoc zusammengestelltes Kindergartenorchester mit Spielzeugtrompeten.

Die Backgroundgeräusche bei den Übertragungen sind von einer solch infernalischen Stupidität, dass man sich automatisch denkt: Dann passt’s ja!

4 Antworten auf „Futblog ll“

  1. Über die adstringierende Wirkung von kaputten Sätzen
    Letzte Nacht war Sommerfest. Letzte Nacht war Fussi. Wir haben keinen Fernseher nicht, deshalb haben Gäste einen mitgebracht, damit sie Fussi gucken könn. Aber er ging nicht. Also saßen abwechselnd immer ein paar oben im Arbeitszimmer vorm Computer und haben so Infos rüber geschoben wie, Tor in der vierten Minute, oder Halbzeit ist. Ich habe nicht so viel verstanden, weil erklär mal einem Trottel, was Halbzeit heißt. Halbe Zeit von was, bitteschön. Ich also Wein getrunken, Zigaretten geraucht (geht schon wieder!) und dann heute so einen Hals! Die ganze nacht hab ich geträumt, ich schnarche, was ich sicher tate, und ich geträumt wie ein Berserker von einem Riesenverlagsgebäude mit zig Angestellte, und so Schnösel sagen Sachen wie das Manu geht so nicht raus. Oder Seite 9 muss noch mal überarbeitet werden. Oder der Chef ist nicht da, dem ist schlecht von die vielen schiefen Bilder. Ich also gestern Wein getrunken, die blöden mitgebrachten Venezuelas aushalten müssen, eh schon solche Ohren, dann auch noch Gäste gekümmert, essen machen, Geschirr und so, und dann auch noch rauchen müssen. Was ist in der Nacht? Ich also ausgetrocknete Schleimhäute wie ein Ghandi im schönsten Hungerstreik. Der Wein, vielmehr Tanninghehalt oder so hat alles gegeben. Und was, wenn ich nicht so was gelesen hätt, von so schiefe Sätze und Bilder, was wäre gewesen vonwegen zu viel Wein trinken? Scheiße, der arbeitet wie ein Verrückter an deine Geschichten und dann muss er sich aufs Sofa fläzen, weil er ganz fertig ist von dem ganzen Scheiß und du bist schuld, dass der jetzt auch noch die Venezuelas in die Ohren gehämmert kriegt und so das alles! Und ich dann also so viel Wein und geraucht und jetzt is aber auch wieder gut. So schiefe Sätze und Bilder kann ich auch, und Syntax ist so was wie Falschgeld, glaub ich und überhaupt ist spielen mein Herzblut, nur nicht so Brettspiele. Und so Sportsachen. Und alles, wo man mit Menschen zu tun hat sowieso eher eine problematische Angelegenheit. Aber spielen ist Klassesache!

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