Über die Hilfsbereitschaft

Leute meiner Generation haben ordentlich was an Regeln und Werten aufgepackt bekommen. Leute meiner Generation haben diese Werte und Regeln erst mal in ihre Haschischpfeifen gestopft und geschaut, ob das Zeug auch brennt und/oder einfährt. So wurde die Bürde der Regeln und Werte sofort leichter, und dann, mit der zunehmenden Erfahrung, wieder etwas schwerer. Nicht mehr ganz so schwer wie zu Beginn, aber doch. Unter Umständen – und so ergeht es mir, wurden die Regeln und Werte zahlenmäßig dezimiert. Es gewannen aber einzelne so an Masse, dass das Paket nun insgesamt schwerer wiegt, als am Start. Nun ja. Pech gehabt. Oder auch nicht. Denn diese Regeln und Werte sind sozusagen Marke Eigenbau.

Eine davon heißt: Hilfsbereitschaft. Und als Bibelfester weiß ich, dass im Neuen Testament steht: „Bittet, und es wird euch gegeben.“ Das habe ich als richtig erkannt. Und selbst der große Henry Miller hat sich in seinem „Wendekreis des Krebs“ darüber ausgelassen, und kam zum selben Schluss. Nicht fordern, verlangen, heischen, erpressen usw. sondern einfach: bitten.

Dann gibt es noch den Dylan Song „The Ballad of Frankie Lee and Judas Priest“, dessen Conclusio mich ebenfalls überzeugt hat:

Well, the moral of the story,
The moral of this song,
Is simply that one should never be
Where one does not belong.
So when you see your neighbour carryin' somethin',
Help him with his load,
And don't go mistaking Paradise
For that home across the road.

Also halte ich es ebenso. Ich meine, wer würde schon die Aussagen von Jesus, Henry Miller, Bob Dylan und Niedermann in Personalunion, in gröbere Zweifel zu ziehen wagen? Vermutlich jeder. Aber wurscht.

Ich denke immer wieder mal über einen Thriller nach, dessen Protagonist ein ziemlicher fertiger Kerl ist, abgebrüht, hart und spröde wie Keramik, egozentrisch, korrumpiert; einer, der jede Todsünde auf dem Kerbholz hat und dessen Werte des menschlichen Zusammenlebens auf einen einzigen eingedampft wurden: Nie und niemals jemanden abzuweisen, der ihn um Hilfe bittet.

Es könnte interessant sein, sich anzusehen was so einem zustößt, und wie er sich dabei aus der Affäre zieht.

Eine Antwort auf „Über die Hilfsbereitschaft“

  1. Es gibt noch ein schönes Wort, das mich allerdings immer eine gewisse Überwindung kostet, es auszusprechen: Demut. Aber diese allein würde schon ausreichen, einen abgebrühten Kerl zum Helfen zu bringen, ohne dass ihn einer erst um Hilfe bitten müsste. Er darf aber kein Psychopath sein, denn Regeln zu brechen ist das eine, das meistens Gute, aber ein krankhaft verbogener Geist ist einfach nur ein Arschloch. Wahrscheinlich, meistens, vielleicht auch nicht. Es ist ein Irrglaube, dass die Gesellschaft Regeln und Dogmen braucht, diese Überzeugung hat schon genug angerichtet. Verstand ist das einzige, das es lohnt einzusetzen. Und manchmal ein bisschen Demut. So einfach ist das.

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