Über das Frühstück

Ein Soziopath meiner Provenienz besteht zu 2/3 aus Ablehnung, und das restliche Drittel aus verweigerter Zustimmung. Im Grunde bin ich gegen alles. Sei’s drum. Aber gegen etwas bin ich ganz besonders: Gegen Sonntagsbrunch in WG’s und Zusammenkünfte von Eltern. Da fühl ich mich nachhaltig gestört. Besonders, wenn die beiden Anlässe zusammen fallen. Das tun sie glücklicherweise nicht. Wenigstens nicht mehr in meinem Leben.

Ich hege einen gesunden Hass gegen Menschen, die sich nach dem Aufstehen, gleich nach dem Wasserlassen, den Bauch voll schlagen können. In unseren Breiten tut dieser Mensch das gerne mit Milchprodukten. Die Menschen riechen noch sauer, das Milchzeugs riecht sauer, und Butter ist nichts anderes als erstarrtes Fett. Der Anblick einer Frühstückstafel ist für mich nur schmerzfrei zu ertragen, wenn über all das weiße und helle Zeugs, das man verschiedenen Paarhufern abgezapft hat, das basische Rot des Blutes vergossen würde, das aus den vielfachen Wunden hervorschießt, die dem Rehposten aus meiner Lieblingsschrotflinte zu verdanken wäre. So sieht’s aus.

Das einzige Frühstück, dass der Rede wert ist, kommt aus Bayern: Weißwurst, Brezn, Reparatur-Halbe. Das hinterlässt kaum Spuren. Und die gekringelte, erkaltete Weißwursthaut hat nicht nur entfernte Ähnlichkeit mit einem Pariser, der seinen Job bereits erledigt hat, sondern regt überdies zum Nachdenken über die letzte aller Fragen an: Was bleibt schlussendlich von uns.

Und jetzt schaut euch mal die vom WG-Brunch an!

2 Antworten auf „Über das Frühstück“

  1. Nun, Ich gehöre zu der Fraktion, die einem anständigem Frühstück oder einem Brunch in Gesellschaft durchaus etwas abgewinnen können…
    Aber ich gehöre nicht zu denenen, die in der Milch irgendetwas Gesundheitsförderndes sehen…Kuhmilch is für Babykühe; basta!

    Ein gutes Frühstück besteht für mich aus Feuerwehrmarmelade (Hackfleisch mit Zwiebeln – auch als Mett bekannt), Rührei von meinen Hühnern, Nürnberger Würstchen, diversen mediteranen Sauereien (Oliven, Büffelmozarella, Antipasti, Chorizo, Serrano u.s.w.), Bulletten, grober Leberwurst und Brötchen! Ich meine hiermit keine Vollkornecken, Müslistangen, Körnerboller oder Kraftkornbatzen, sondern ganz ordinäre Weizenmehlschrippen….

    Bei einem Brunch (und nur da) kann ich mich dann auch mal für Sekt oder Champus begeistern…durchaus literweise!

    Und an die ganzen Süßfrühstücker und Cornflakesmischer kann ich nur sagen; stay the fuck away from me….

  2. Ab morgen werde ich den festen Bestandteilen unserer Nahrung entsagen. Fünf Tage lang. Ein Freund aus Wien meckert: Fasten ist weibische Sturheit, vertrocknete Sinnlichkeit und unnötige Entbehrung. Er hat schon recht, aber wenn es hilft? Alte Weiber müssen schon etwas mehr dafür tun, damit sie noch erhört werden. Gute Zähne sind wichtig und Stöckelschuhe. Mehr braucht es nicht, aber beides sind Perlen vor die Säue, wenn der Schmerbauch den Übergang vom Schritt zum Galopp in Zotteltrab ausarten lässt. Das möchte man nicht gesehen haben, das zaubert höchstens dem Soziopathen ein hämisches Grinsen ins Gesicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.