Lang lebe „Mörtel“ Lugner!

Wer einmal die kulturellen Highlights Kärntens besuchen durfte, Feuerwehrfeste, wird, falls es ihm gefallen hat, auch einem Besuch des Wiener Opernball nicht abgeneigt sein. Nun, ich werde mich hüten, die wichtigsten kulturellen Ereignisse dieses Landes zu geißeln. Feuerwehrfeste und Opernball. Die eine Seite, einer 1-seitgen Medaille. Es wäre zu einfach. Aber ab einem bestimmten Zeitpunkt, sind beide durchaus verwechselbar.

Hingegen mag ich den Hofnarren dieser wüsten Walzerschinderei, den Baumeister Lugner, einen Anarchisten reinsten Geblütes, das errigierte Fähnlein der Verschlagenheit und ruhmredigen Bauernschlauheit.Ich ziehe meinen Hut vor seiner sagenhaften Indolenz. Niemand steckt den Hass der verekelten Wiener Society besser weg als Mörtel, mit seinem scheuchblöden „Katzi“. Wie gerne würden sie ihn loswerden, den ollen geilen Parvenü, den einzig wahren selfmade-man (nebst Niki Lauda) des Landes. Wie gerne würden sie ihn eintauschen gegen ein paar gewalttätige Opernballdemos vor dem Haus? Aber er bleibt ihnen erhalten. Noch immer ist er reich genug. Noch immer kümmert es ihn nicht wirklich, was man von ihm hält. Solange eine Kamera draufhält, würde er auch öffentlich seinen Schwanz piercen lassen. Die Haute Volée ist derrangiert. Disturbed. Lugner ist ihr Affe, der sie schamlos imitiert. Wie der Bonobo im Zoo, der sich vor Publikum ungeniert einen von der Palme wedelt, während er dir direkt ins Antlitz blickt.
Ich finde man sollte ihm eines Tages ein Staatsbegräbnis servieren und seinen Corps in einem Wiener Ehrengrab versenken.
Das ist man ihm schuldig. Dem titanischen Alleinunterhalter dieser verlotterten Stadt.
Lang lebe Mörtel Lugner!

P.S. Der Autor begibt sich, zwecks konzentrierter Arbeit ins Waldviertel. „Sunday moaning“ wird möglichweise etwas später erscheinen. Mit einem Valentinspoem von H.P. Gansner.

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