Opferalkoholiker-Blues (S.S. Namredin)

Ich bin ein Opfer, ein Opfer
in der dritten Generation
schon mein Opa klemmte sich den Finger ein
als er die Waggontüre schloss, bei der Judendeportation.

Nicht genug damit,
das Schicksal ist erbarmungslos
In Mauthausen er fett vom Wachturm fiel
da war er auch sein Leben los.

Meinem Vater gings nicht besser
Arbeit hat ihn umgebracht
mit 36 schon in Frühpension
weil ihm die Säuferleber so zu schaffen macht.

Und auch ich, sein armer, netter Sohn
bin ein Opfer
geprellt um Ehre
und auch Lohn.

Denn das Überbein am kleinen Zeh
tut den ganzen Tag so richtig weh
weil ich in meim Trafikerl steh
wie ein verwundet Reh im Schnee.

Ich bin ein Opfer, ein Opfer
in der dritten Generation
verkaufe Zigaretten, Lottoscheine, Lose
mein Leben ist der reine Hohn.

Alles was mir blieb
ist die Krachen in der Lad
ich warte nun auf einen Dieb
einen Räuber, einen Tschuschenkamerad
der mich frech berauben möcht.

Ich warte lang, und jeden Tag
das endlich einer rauben mag
dem ich dann, was soll ich machen
eins verpassen muss, mit meiner Krachen.

Nun liegt er da, jetzt is er tot
der Bimbo, Tschusch und Dieb
hätt er halt nicht stehlen sollen
ihr wisst’s, ich bin sonst eh ganz lieb

Ich bin ein Opfer, ein Opfer
in der dritten Generation
Auf Notwehr verstehn wir uns
das gehört bei uns zum guten Ton.

Wer sich hier ins Unrecht setzt
dessen Leben ist verwirkt
und wer recht hat, das wissen selbst die Koffer
bin ich, auf jedem Fall, das arme Opfer.

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