Liebe Gemeinde,

das Jahr 2009 war ein Jahr mit fett Nullen. Das ist jetzt vorbei. Fast. Das neue Jahr, 2010, hat ebenfalls fett Nullen. Nur ein wenig anders arrangiert. Man könnte, um einen Vergleich zu bemühen, sagen, das Fett hängt nun nicht mehr nur auf der Plauze, sondern auch am Arsch. Schaut besser aus. Ist aber vom gesundheitlichen Aspekt her nicht wirklich eine Verbesserung, da der Fettanteil insgesamt nicht gesenkt wurde. Und während die 9 noch einen stämmigen und ansehnlich muskulösen Eindruck zeitigte, macht so eine 1 nicht wirklich viel her. Es besteht also enormer Trainingsbedarf, und so dürfte es noch ein ganzes Jahr dauern bis die Fetten abtrainiert und die Muskelmasse mit einer weiteren 1, zu 2011, verdoppelt werden kann.

Der Autor bei der Arbeit (Ansprache)
Der Autor bei der Arbeit (Ansprache)

Liebe Gemeinde,
so sieht es aus. Wer Bilanz ziehen mag, mag Bilanz ziehen; wer nicht, der nicht. Wir wissen aus Erfahrung, dass gute Vorsätze den Weg zur Hölle pflastern. Lassen Sie das Vorsetzen und Vorsätzen. Nehmen Sie sich nicht vor, mit dem Pofeln aufzuhören, denn Sie werden es nicht schaffen. Süchte wird man nur mit übergroßem Leidensdruck los. D.h. begeben Sie sich auf dem Pflaster der Vorsätze direkt in die Hölle, und sie werden einiges schaffen. Vorher eher nicht.
Nehmen Sie sich gar nichts vor. Aber auch das ist ein Vorsatz, also lassen Sie es. Lassen Sie alles fahren. Kommen Sie nach Wien und lassen Sie sich von betrunkenen Grenzdebilen aller Herrenländer die Trommelfelle mit Krachern voll Nudel machen, trampeln und rempeln Sie sich durch den Silvesterpfad, saufen Sie sich die Hucke voll, und seien Sie lustig, wenn Sie’s nötig haben, lustig zu sein. Chacun à son gout, wie der Berner Oberländer sagt.

Wir hier, liebe Gemeinde, wir machen einfach weiter unseren Job. Uns Autoren ist es vollkommen blunzen was für ein Jahr ist. Wir stehen auch diese Feiertage durch, mit all den Amateursäufern und ihrem Zwang zur Fröhlichkeit und zum Kauf von Glücksbringern. Wir glauben nicht ans Glück. Wir Autoren glauben ans Schreiben und an die Arbeit, an Großzügigkeit, Rache, Herzensgüte und Nassrasur. Wir glauben daran, dass man sich tüchtig verirren, und trotzdem wieder auf den Weg kommen kann. Wir glauben an Drogen und Alkohol. Manchmal an die Liebe. Und wir glauben daran, dass wir uns bemühen müssen. Wir glauben an die Freiheit und an gute Gedichte, und an die grundgütige Wirkung von rotem burgenländischen Wein und viel Sport.

So, liebe Gemeinde, sieht es aus. Aber das sagte ich bereits. Aber ich sage es halt gerne, denn auch wir altruistischen Autoren, die wir unsere Gemeinde mit Gratis-Erbauung versorgen, brauchen unsere kleinen Freuden.

Liebe Gemeindemitglieder, bleiben Sie uns gewogen.
Wir hier, auch die Grant- und Meckerecke, wünschen allen und allinnen die guten Willens sind, ein feines und trainingsreiches neues Jahr.
Prosit.

Ihr Bloggerteam

Eine Antwort auf „Liebe Gemeinde,“

  1. Jetzt erst gelesen, die Ansprache. Zuerst beim Herrn Dobler und jetzt hier. Und siehe da: es ist nie zu spät für wahre Worte. Alles Gute! und Danke!

    Herzliche Grüße aus München und mit einem fröhlichen `Kill em all´ verbleibend, Lyra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.