Ich bin Hitler!

Vor einigen Jahren bezeichnete der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger Saddam Hussein als Hitler. Enzensberger ist ein kluger Mann. Er wird sich etwas dabei gedacht haben. Aber was?
Ich war bislang der offenbar irrigen Ansicht, dass nur Hitler Hitler ist, und dass es für Saddam Hussein reichte, Saddam Hussein zu sein. Aber dem ist nicht so.
Eigentlich strunzdumm, dieser Sager. Aber Enzensberger gilt nun nicht gerade als Champion im strunzblöd daherreden. Also was?

Nun, es könnte sein, dass es wieder mal mit der guten, alten „Notwehr“ zu tun hat.
Hitler ist so schlecht, dass selbst Satanas in der Hölle kalte Füße bekommt. Hitler war mächtig und böse. Im Kampf gegen Hitler ist alles erlaubt. Da gilt keine Genfer Konvention. Die Regeln der Fairness sind im Klo zu entsorgen. Hitler muss man treffen, bevor er einen trifft. Hitler muss genotwehrt werden, wo’s und wie’s nur geht, und zwar subito und mit allem was man drauf hat. Im Vergleich mit Hitler, sind alle anderen Opfer. Und Opfer dürfen alles.

Seit gestern haben wir einen neuen Hitler. Er heißt Oskar Freyinger und ist „der neue Hitler Europas“. Er ist auch noch zufälligerweise Schweizer und von der SVP. Assan Tamimi vom Londoner Institut für islamisches politisches Denken hat ihn, im TV (Aldjasira) so bezeichnet. Und die Schweiz hat dazu auch noch „Das Tor zur Hölle für alle Muslime in Europa geöffnet…“
Hört, hört. Hier schreit ein Opfer. Es klagt an.
Freyinger antwortete: „Hitler hätte über die Minarette nicht abstimmen lassen.“
Das stimmte. Mit größter Wahrscheinlichkeit. War er nun doch nicht Hitler?
Doch er war es. Was war Saddam Hussein, der hunderttausende umbringen ließ, gegen einen Schweizer Politiker der eine Initiative mitlancierte?

Hitler sagte dann: „Es geht nicht um Muslime, es geht um Integration.“
Sowas konnte nur Hitler sagen. Nun war es absolut klar.
Und mir wurde schmerzlich bewusst, dass auch ich Hitler war. Irgendwie. Damit werde ich mich auseinander zusetzen haben. Alle können mich nun notwehren, wie es ihnen beliebt.

Der Tag ist nicht mehr fern, an dem es auch meiner kleinen Tochter offenbar werden wird.
Eines Abends, nachdem ich sie mit einem 1-stündigen Fernsehentzug bestraft haben werde, wird sie voller Wut zischen: „Papa, du bist Hitler! Zu sowas ist nur Hitler fähig!“
Ja, das habe ich nun davon, dass ich Schweizer bin, und das Tor zur Hölle geöffnet habe.
Das wird mir zu denken geben.
Irgendjemand muss es ja tun.
Assan Tamimi tut es jedenfalls nicht.
Er ist beleidigt. Er bereitet die Notwehr vor.

Eine Antwort auf „Ich bin Hitler!“

  1. Auch wenn sie nicht dick sind, sind sie klug, denn sie scheren sich einen Dreck um rationale Gedankengänge. Verbieten, durchsetzen, bestrafen – böse. Jedem Volk seinen Teufel? Man könnte verbietende Väter auch Saddam Hussein nennen, aber der ist weit weg. Hitler war jedenfalls ein richtiger Saddam Hussein! Religiöser Fanatismus, Machtgier – die Ursachen von Gewalt – die Angst davor sitzt tief. Tief genug, um tief zu sinken! Überall dort, wo es etwas zu verlieren gibt.
    Holy shit!

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