Stormy Monday l.

Gerechtigkeit für Kärnten!

Das erste was ich in Kärnten sah, war ein Mann der einen anderen Mann ins Gesicht schlug.
Es war ein etwas eigenartiger und theatralisch wirkender Akt. Der Schlagende saß mit seiner aufgebrezelten Freundin an der Bar, und der Geschlagene, ein Hüne, taumelte von einem Rückhandschlag getroffen, gegen die Wand, wischte zwei Tropfen Blut von den Lippen, und entschuldigte sich dann beim Schläger für sein ungebührliches Benehmen dessen Freundin gegenüber.
Theatralisch erschien mir die Aktion, weil es sich um einen Schlag handelte, den ich (ohne anzugeben), einfach eingesteckt hätte. Außerdem, war der Schläger 30 Kilo leichter als der Geschlagene. Es ging hier also um etwas anderes. Vermutlich handelte es sich um ein ungeschriebenes Gesetz. Welches?
Ich weiß es nicht.

Ich verbrachte in den neunziger Jahren einige Sommer im Rosental.
Ich habe allerlei Dinge gemacht. In Kärnten. Ich war z. B. Kellner in einem Lokal bei Weizelsdorf und am Wochenende Barkeeper in einer Disco. Ich habe ein Haus mitrenoviert, und für die Kurzstrecke Triathlon trainiert, und war deswegen mit dem Rennrad beinahe im ganzen Bundesland unterwegs. Mein Gott, großartig! Das Rennradfahren auf den kaum befahrenen Straßen. Kein Mensch. Nirgendwo. Nirgends. Wunderbar!

Ich lernte eine Menge junger Kerle kennen, Typen die Jobs hatten und sich dem Brauch entsprechend, am Wochenende, die Kante gaben. Und wenn ich dann nach wenigen Wochen oder Monaten aus Wien wieder her kam, fehlte meist einer. Wo war er? Hatte er die Gegend verlassen? Gewissermaßen. Er war auf dem Friedhof. Schätze, ich kannte fünf oder sechs. Es ist lange her, ich weiß es nicht mehr genau. Aber ich weiß, wie sie gestorben sind. Meist in der Nacht von Freitag auf Samstag um viertel nach 2 in ihren bolidenartigen Autos.
Bis obenhin voll mit Cola-Rot, Rüschele oder Wodka-Redbull, kriegten sie die Kurve nicht mehr und pesten in Bäume, Hausecken, Zäune, Marterl. Sie starben wie James Dean, ohne je ein Buch gelesen zu haben. Und mächtig ungefickt.

Das war traurig. Aber es schien, als könnte niemand etwas dagegen machen. Das war (ist?) einfach so.

Einmal kam der Besitzer eines 1000 ccm Motorrades aus dem Lokal, ziemlich bedient, schwankend, und wir schrieen ihn an, er solle die Schleuder ja stehen lassen! Aber er klemmte sich den Helm in die Armbeuge und stieg auf. Nach 5 Sekunden hörten wir es. Gleich gegenüber beim Supermarkt. Ohne Helm. Schädel-Hirn-Trauma. Ziemlich Lull war er, als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Er erholte sich nie mehr richtig. Böse Zungen behaupteten, man merke den Unterschied zu vorher eh nicht.

Auch konnte man nichts gegen eine seltsame und unerklärliche Verbohrtheit ausrichten. Ein komplettes Wegblenden der Wirklichkeit, zugunsten irgendeiner damischen Ideologie. Einer meiner Bekannten hatte ziemlich was gegen die „Tjugosslawen“ (Slowenen) und sprach zu Hause mit seiner Mutter windisch (eine Art slowenischer Dialekt). Sie waren alle „teitsch“, auhc wenn sie Uschnig, Resnig, Sablatnig hießen. Ein anderer war ein früher, glühender Haider-Verehrer und sprach davon, wie Haider mit dem arbeitsscheuen Gesocks aufräumen würde. Er hatte in seinem 25-Jährigen Leben noch nicht einen Streich gearbeitet, hing rum, maulte und ließ sich vom Staat alimentieren. Er gab sozusagen den Prototypen seines eigenen Feindbildes.

An den Wochenenden fuhren die Jungs das Rosental rauf und runter, immer auf der Suche nach einer neu eingestellten Kellnerin in einem der gefühlten, tausend Lokale. Hatte man sie gefunden, war „Ansitzen“. Das dauerte so lange, bis die Kellnerin einen der „Ansitzer“ erhörte. Dann wurde sie schwanger und der Typ dick. Er blieb dem Wirtshaus fern, und man sah ihn nur noch Sonntagmorgens mit den anderen Familienvätern beim Kegelschieben. Vor oder nach der Messe.

Die Welt und das andere Österreich mag sich wundern. Vor allem über die kultische Verehrung, die nun ein zerschmetterter, besoffener Raser, alias Sankt Haider genießt. Das ist in der Tat etwas seltsam, und der Vernunft kaum zugänglich. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick sieht die Sache ein wenig anders aus. Wessen Tod glich dem der Brüder, Väter, Söhne denn auf’s Haar?
Präziser als Jesus. Näher kann man den Menschen hier nicht kommen. Wer so stirbt, ist einer von ihnen. Für immer jung. Fesch. Was zählte schon, dass der Mann das Land in den Bankrott führte? Solange der Sippenführer von den anderen Sippen gefürchtet wird, ist er ein guter Führer.
Das Pferd eines Picadors in der Corrida lässt sich furchtlos vom Stier aufspießen, solange es fühlt, dass es gut geritten wird.

Und natürlich trug sich der Unfall der Kärnter Sonne anders zu, als in der offiziellen Version verlautbart wurde.
Elvis lebt!
Die unbefleckte Empfängnis.

Die Welt will nicht verstehen.
Diese Verbohrtheit! All die Dinge über die niemand spricht, und über die man nicht sprechen soll. Nur was unterscheidet dieses Verhalten eigentlich vom „anderen“ Österreich?
Schaut denn nicht das restliche Land in seinen Südspiegel? Und kläfft sein eigenes Spiegelbild an, wie ein Hund, der sich selber nicht erkennen kann.

Glaubt denn wirklich noch jemand, dass Verlotterung, Korrumpierung und Nepotismus Österreichs von irgendeiner demokratischen Welt sei? Vielleicht sogar verständlich? Für diese Welt?

Nur zur Erinnerung: Eine Bande Strauchdiebe, geschart um einen Ex-Finanzminister, dessen Name nur noch im Zusammenhang mit der „Unschuldsvermutung“ genannt wird, fingert dem Steuerzahler ungestraft in dieTasche …
Eine Justiz die dem Populismus huldigt …
Staatsanwälte die unverhohlen politisch agieren …
Polizisten die lügen, prügeln und ohne nennenswerte Konsequenzen jeden abknallen, den sie für abknallungswürdig halten…
Unfähige Politiker, die unfähige Parteigenossen in Pöstchen hieven, von wo aus sie bequem staatliche Firmen an die Wand fahren können? Und von denen man seit Jahren nichts anderes hört, als: Ich bin ein Opfer! Ich hab davon nichts gewusst! Die Verantwortung liegt woanders! Das weise ich entschieden von mir! Keine Rücktritte, ohne millionenschwere Abfindungen…
Eine Innenministerin mit dem Gesichtsausdruck eines frustrierten Henkers nach Abschaffung der Todesstrafe. Eine Frau, der man auch nicht im Dunkeln begegnen möchte…
Politiker, die sich von einem greisen Zeitungszaren wie Hunde behandeln lassen…

Und ließe sich die Liste nicht beinahe beliebig fortsetzen?

Zum Fürchten, gewiss. Im Süden, wie im Norden. Im Osten und im Westen.

Lasst mir Kärnten in Ruhe!
Dort stirbt man wenigstens noch.

Eine Antwort auf „Stormy Monday l.“

  1. Verehrter Herr Niedermann,

    ich GENIESSE Ihre Kommentare über Gott und die Welt, die Schweizer und die Ösis.
    Ich bedauere sehr, dass Sie sie auf 1x pro Woche zurückgefahren haben.

    Aber ich würde nicht 36 CHF ausgeben für ein Buch mit ‚veralteten‘ Einträgen.

    Ich wollte Ihren persönlichen (Gewinn-)Anteil an diesem Buch wissen und Ihnen diesen Betrag persönlich (Konto-Nr?) übereisen. Vielleicht sogar für ein zukünftig >1x/Woche intensiveren Blog.

    Freundlicher Gruss,
    Frank

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