Wandering Andy

Über die Nase, über den Kaien, obe nach Eggersriet, rüber nach Goldach, hin nach Mörschwil, das war es, was ich heute zu Fuß ergangen habe. 4 Stunden. Nonstop. Mit 1 Liter Magnesiumwasser und einem Rohschinkenbrot. In St. Gallen dann einen „Schiller“ für 6,80 im „Hörnli“.
Ich hab eine Menge geweint, aber warum, sage ich nicht.

Nur eins: Auffallend die Veränderungen in den Gepflogenheiten des Grüßens, je näher man dem Bodensee kommt. Hier, in Wald und Umgebung, grüßen alle alle. Ab Eggersriet nur noch gelegentlich. In Mörschwil grüßen die Schulkinder nicht, ihre Eltern verziehen irgendwie atavistisch das Maul, und die Großeltern nicken zumindest noch.
Auch sieht man dort des öfteren dicke Kinder.
Ich mag Appenzell.

6 Antworten auf „Wandering Andy“

  1. Frau Völk geht auf Reisen. Mit zitternden Händen hat sie die Koffer gepackt, von plärrenden Kindern am Rock gezogen, den ihr Ehemann zwei Wochen lang nicht heben darf. Die strammen Schenkel der Milchsäure preisgegeben und die ausgeleierten Lungenflügel ausgebreitet, marschiert sie gen Süden, wo sie von Maronifest zu Sturmgelagen weitergereicht und von steirischen Kürbisbauern um Gnade gebeten wird. Der Bitte, die Klomuscheln der Verwandtschaft zu verschonen, wird sie nicht nachkommen, denn eine Figur ist nur solange interessant, wie sie sich treu bleibt. Die Autodidaktin grüßt und wünscht ihren Kollegen alles Gute!!!

  2. Ja, dem möchte ich mich anschließen.
    An diesem heutigen Tage muss ich eh viel ans Klo denken.
    Und die Frau Völk kennt anscheinend die Volksweisheit aus der Gegend, aus der ich komm:“Wenn das Fenster offen ist, lehn dich soweit wie möglich raus.“
    Das hat sie sehr gut gemacht.

  3. Oh, da hat sich die Frau Völk aber weit aus dem Fenster gelehnt. Lebte diese Person im Mittelalter, würde sie gassauf, gassab alles anpöbeln, was sich ihr in den Weg stellte. Ich befürchte, irgendein von ihr beleidigter Vogt hätte sie längst am Scheiterhaufen verbrennen lassen. Irgendwann muss ja auch Schluss sein!

  4. Dear wandering Andy! Warum auch immer du geweint hast, deine Tränen waren es wert, geweint zu werden, denn wer sonst, außer empfindsamen Menschen, kann Unrecht und Kummer der Welt beweinen? Die Machtlosigkeit, mit der wir zusehen müssen, wie tausende Menschen, darunter so viele Kinder, ihre Familien verlieren und Angst und Schmerzen erleiden, macht ungeheuer wütend und treibt mir das Blut aus den Extremitäten, die nutzlos auf eine Tastatur einhämmern. Wir sollten doch da sein, um Schwächere aufzufangen, hingehen und unsere Kraft und Gesundheit einsetzen, um Entsetzen abzufangen. Und was tun wir? Bejammern unsere Pickel und den Niedergang der Esskultur, sowie der Gepflogenheiten des Grüßens. Ich muss kurz ausholen: Wenn Cato der Ältere der Meinung war, dass Karthago zerstört werden muss, dann bin ich seiner Meinung, wenn er damit die Kultur des Wegschauens gemeint hat. Kultur ist Erschüttern eines fest gefügten Weltbildes, Kultur erfüllt keinen Zweck, außer dem, Ecken und Kanten zu akzeptieren. Kultur heißt Weinen und trotzdem auf die Verdauung achten, denn an anderer Stelle werden wir noch gebraucht. Jeder dreckige Rotzlöffel, voll gestopft mit Pommes und Hamburger, sollte wenigstens einmal in seinem Leben vier Stunden über Berg und Tal wandern müssen, um im Ziehen seiner Muskel und in den wunden Füßen die süße Genugtuung zu spüren, die es braucht, um den Weltschmerz zu lindern. Meinte ich gerade, Buße tun? Scheiße, nein, aber ja, es hilft. Ich betrinke mich gerade, aber auch das muss sein, denn alte Weiber dehydrieren leicht. Ich kann meine Familie nicht im Stich lassen, aber, bei Allah dem Allmächtigen, ich verachte mich dafür, dass ich nicht aufstehe und nach Sumatra fliege, um wenigstens einer Mutter zu helfen, ihre Kinder zu wickeln, damit sie in Ruhe um ihr verlorenes Heim trauern kann. Jetzt muss ich kotzen gehen, und morgen werde ich demütig mein Haupt senken, wenn mir mein Mann die verdreckte Kloschüssel vorhält.

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