Mehr Kunst und Kultur für Pünktlichkeit!

Der vermutlich größte Medienmanager aller Zeiten, Hans Mahr (vormals RTL), liebt, so las ich gerade im „Salon Raftl“, Österreich. Nun, das ist nicht weiter verwunderlich, denn Mahr ist Österreicher. Aber wenn ein Österreicher Österreich liebt, dann tut er das eigentlich nur zu etwa 10%. 90% seiner Liebe ist Aversion und einem diffusen, aber umso so mächtigeren Überlegenheitsgefühl geschuldet. Und zwar dem „Piefke“ gegenüber. Aber was war da los?

Nun, es begab sich, dass der Austrian-Airlines-Flug Moskau-Wien etwa 1 Stunde Verspätung hatte, just am Tage der Faust-Premiere im Burghteater. Der Mahr Hans sagte dem Piloten er solle „a bissl Gas“ geben, denn er habe Karten für den „Faust“ um 17 Uhr. Und was antwortete der AUA-Pilot? „Was glauben S‘, was ich vorhab? Ich hab auch Karten für den Faust!“
Und dann gab er richtig Stoff, holte 25 Minuten auf und alle kamen pünktlich zur „Faust“-Premiere in die Burg. Das war sehr schön. Und Mahr sagte: „Den Lufthansa-Piloten, der mir sagt, ich geb Gas, weil ich Karten für eine Premiere der Berliner Schaubühne ha, den muss man mir erst zeigen.“
Nun, das kann durchaus sein, dass man den nicht so leicht findet. Aus verschiedenen Gründen.
Vielleicht einfach, weil der Flug pünktlich ist? Oder der Pilot einfach so, aus purem Jux und Tollerei, eine Verspätung aufholt? Pflichtgefühl? Verantwortung dem Kunden gegenüber, der möglichweise noch einen Anschlussflug erreichen muss? Oder einfach nur, weil es das Selbstverständlichste der Welt ist?

Aber es ließe sich darüber nachdenken, ob der Trick auch sonst, bei ÖBB und AUA, funktionieren könnte. Täglich eine Premiere im Burgtheater. Oder für die Volksverbundenen unter den kulturbefliessenen Zugführer und Piloten: Musikantenstadlkarten.
Bakkschisch, in Form von Kunst und Kultur, für alle Angestellten. Und ich würde vielleicht endlich ein Mal, nur ein einziges Mal, den Anschlusszug in Feldkirch nach Buchs erreichen, den ich seit einem Jahr wegen Verspätung verpasse.
Wie heißt einer der semiblöden Sprüche, die man jede Woche 10 Mal anhören muss? Ah, ja. Die Hoffnung stirbt zuletzt!
Erinnert mich daran, wieder mal frische Blumen auf ihr Grab zu legen.

2 Antworten auf „Mehr Kunst und Kultur für Pünktlichkeit!“

  1. Die Hoffnung …. wirklich erlaubt, an diesen Spruch nur zu denken, ist es bei Cormac McCarthy’s „Die Straße“. Frische Blumen gibt es da allerdings nicht mehr!

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