Schon wieder Daniel Kehlmann. Weiter so!

Daniel Kehlmann hat zur Eröffnung der Salzburgerfestspiele eine wahre Rede gehalten. (Das Regietheater betreffend) Nachzulesen in der FAZ Online.
Heutzutage, wie ich verschiedentlich beobachten konnte, schreibt jede/r Provinzregi-sseur und Seuse, dem Schiller, dem Dürrenmatt, dem Williams, dem Shakespeare tolle neue Texte.

Vor fast zwei Monaten bloggte ich zu den Tellfreilichtspielen Interlaken:
„Eines zeigte sich gleich zu Beginn: Das Regietheater hat auch auf der Laienbühne seinen Klumpfuß geparkt.“

Und Maxim Biller hat schon vor Jahren in seinem „Deutschbuch“ die berechtigte Frage gestellt, warum in deutschen Theatern immer gebrüllt wird, wenn es darum geht, Gefühle darzustellen.

Achten Sie mal darauf!

Eine Allegorie

Neulich im Heidener Schwimmbad.
Die Jungs drängen sich, wie seit Menschgedenken, auf den Plattformen des Sprungturms. Ja. So war’s schon immer. Die Jungs springen von oben nach unten ins Wasser. Arschbomben, „Plättler“, Salti rückwärts und/oder gehechtet.
Auch der Autor war mal so einer.
Kann er’s immer noch? Man verlernt nichts, lautet ein Gesetz, was man kann, kann man.

Ein paar Probesprünge vom 1 Meter Brett. Es geht immer noch. Er hat zwar 40 kg mehr, seit damals. Er sieht, während des Sprungs, seinen Schatten im Wasser. Immer noch elegant. So Walmäßig. Ohne Flukenschlag. Aber Beine geschlossen und gestreckt.
Dann aufs 3 Meter Brett.

Die 110 kg auf dem Brett tanzen zu lassen, ist schwer. Es ist, als spüre er zum ersten Mal sein wirkliches Gewicht. Die Masse. Das Fleisch, die Muskeln, das Fett, die Knochen. All das gelebte Leben, die Tonnen an verzehrten Nahrungsmitteln, die Ströme von Wein, und all die anderen feinen Sachen. Die Unfälle, Knochenbrüche und Verletzungen, die mürben Bandscheiben und die locker gewordenen Gelenke. Der Schwung ist noch nicht raus. Der Junge, der er einmal war, der steckt immer noch in ihm drin. Nur macht dieser Junge jetzt alles mit einem Sack Zement auf den Schultern. Aber der Alte ist stärker als damals.
Und er schafft es. Drei saubere Kopfsprünge.

Dann, sein Glanzstück: „Seemannsköpfler“ rückwärts. Vom 3 Meter Brett. Funktioniert nur dort. Zuerst einmal vorwärts. Hinstellen, Hände an die Seite gepresst und steif, wie ein Baumstamm, fallenlassen.
Rückwärts ist es eine Mutprobe. Vermutlich wie rückwärts Bungeejumping. Der atemberaubende Fall ins Nichts. Und wer seiner Angst nachgibt und die eingenommene, steife Position verändert, der erfährt Schmerzen. Denn jegliche Veränderung der Lage verpfuscht die Landung. Nur wer wirklich dem Wissen und der Erfahrung vertraut, wird perfekt landen. Aber die Nerven brüllen danach, den Körper zu krümmen, sich gegen den Fall zu wehren, zu sehen, wo’s hingeht.

Danach kam eine junge Frau und sagte zu ihm: „Das sah ziemlich cool aus.“

Wenn das keine Allegorie ist, was dann?

Habt Dank!

Folgende Mail bekam ich gestern vom „Autorenhaus Verlag“ zugeschickt:

„Als fröhliche Selbstausbeuter sind Kleinverleger bekannt. Arbeit an Wochenenden und Feiertagen und abends gehören mit zur Freude am Beruf. Kleinverlage, auch Independents
genannt, finden meist ihren Platz und (hoffentlich)ihr Auskommen mit Nischenthemen…Verleger sind fleißige Leute.“

Stimmt. Aber nicht nur, dass wir uns selber ausbeuten, sondern wir sind auch auf die mildtätige Mithilfe von Freunden, sympathisierenden Fachleuten, wie Grafiker/Innen, Webdesigner/Innen, Lektoren und Korrektoren angewiesen. Ohne deren Arbeit ginge gar nichts.

An dieser Stelle, habt Dank, Freunde!! Ganz speziell: Daniela Koller, Yvo Egger und Thomas Herzog.

So genug gequatscht. An die Arbeit!

Die Blogeinträge vom 29.Oktober 2008 bis 23. Juli 2009 sind als Buch „LOG / Aufzeichnungen 2008/2009 Wien-Wald (AR)“ beim Songdog Verlag erschienen und sind ab sofort beim Verlag bestellbar.