H. C. Bukowski ist hundert!

„Bonjour, Mister Bukowski.“
„Likewise, fuck your self!“
„Sehr erfrischend, Mister Bukowski. Auch nach hundert Jahren, noch im Quivive …“
„Bist ’n Froschfresser oder was?“
„Tschuldigung, wollt Ihnen nicht zu nahe treten. Wollt Ihnen nur zum Hunderter gratulieren, und Ihnen alles Gute für die nächsten hundert wünschen.“
„Das würd dir so passen, Froggy, was? Wenn ich noch mal einen Hunderter runterreißen muss!“
„Sorry, war nicht so gemeint.“
„Weiß ich doch. Ich verarsch dich nur!“
„Oh? Okay. Verarschen Sie nur. Da steht Ihnen zu. Aber ich wollt Ihnen auch mal sagen, wie wichtig Sie mir als Autor waren …“
„Nur waren? Nicht sind?“
„Nun ja – Sie sind ja inzwischen ein Klassiker der Moderne …“
„Was soll denn das wieder heißen?“
„Weiß ich auch nicht genau. Aber ich lese immer wieder mal in einem dieser dicken Gedichtbände von Ihnen. Und ich bin neidisch …“
„Na klar, bist du neidisch. Wer nicht?“
„Ihnen scheint das Schreiben leicht zu fallen.“
„Ja, es kommt. Es fließt. Es strömt aus mir heraus. 3,4,5 Gedichte pro Tag.“
„Ja, Wahnsinn! Mir fällt das Schreiben ziemlich schwer.“
„Warum schreibst du dann? Macht doch keinen Sinn.“
„Da hamse vermutlich recht. Aber ich muss. Irgendwie. Bennungszwang – Passiert einfach.“
„Und da hab ich dir geholfen, was? Hast dich an mir abgearbeitet.“
„Na ja, vielleicht ein bisschen. Wir haben ja auch Gemeinsamkeiten.“
„Ach ja?“
„Was die Menge an Scheißjobs anlangt, auf jeden Fall. Und auch, dass wir den Mitmenschen gerne auf Distanz halten, dass wir Célines „Reise ans Ende der Nacht“ lieben, und beim Schreiben gerne Musik hören …“
„’Gerne Musik hören‘, wie das nur schon klingt.“
„Ja, ich weiß … Aber ich hör ganz selten klassische Musik. Mehr Jazz. Aber das ist ja auch Klassik. Wie Sie …“
„Da ist schon wieder, dieses ‚klassische‘. Was hast du nur damit?“
„Weiß auch nicht. Rutscht mir halt so raus.“
„Watch your words. Das ist das Gesetz des Schreibens. Das richtige Wort. Hab ich ja immer wieder gesagt. Du erinnerst dich sicher …“
„Tu ich. Bin derselben Meinung.“
„Das ist keine Meinung. Das ist ein verdammtes Gesetz.“
„Außerdem mag ich Alkohol.“
„Yeah, wer nicht. Watch it, kann ich nur sagen …“
„Ich trink nie was, wenn ich schreibe. Ich schreibe am Morgen …“
„Wie Hem. Der hat auch am Morgen geschrieben, damit er den Rest des Tages süffeln konnt. Hat ihm nicht gut getan.“
„Ich mag auch Ihren Roman „Hollywood“. Ich finde, jeder der mit Film zu tun hat, sollte ihn lesen. Ein Illusionskiller.“
„Wie du meinst. Ist mir egal.“
„Und was halten Sie von Corona?“
„Wir haben es nicht anders verdient.“
„Ihr übliches Menschheitsbashing?“
„Siehst du’s anders?“
„Sie sind hundert Jahre alt, nicht ich.“
„Aber du bist auch schon alt, obschon du nicht so alt aussiehst, wie ich ausgesehen habe, als ich so alt wie du war. Aber das ist die neue Generation. Sieht aus wie zwölf, macht auf fünfundzwanzig, ist aber 82.“
„Bisserl übertrieben, oder?“
„Übertreibung ist die Würze eines langweiligen Lebens.“
„Sagt wer?“
„Weiß ich doch nicht.“
„Okay, lieber Henry Charles Bukowski: Herzlichen Glückwunsch zum Hunderter. Weiter im Text.“
„Yeah, verpiss dich!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.