Countryside

Ich bin – wie man so sagt – auf dem Land. Zur Zeit.
Ich habe davon gehört, dass es Leute geben soll, die der festen Überzeugung sind, dass es auf dem Land ruhig und in der Stadt lärmig sein soll.
Ich bin nun zur Einsicht gelangt, dass diese Leute weder das Land noch die Stadt kennen. Man könnte sich fragen, wo diese Leute in Wirklichkeit leben. In Fantasien?
Vielleicht ist ihr fester Glaube, dass dem so ist, ein Wahn, der alles so scheinen lässt, wie sie es glauben. Ich weiß es nicht.

Auf dem Land gibt es viele Geräte, die einen herkömmlichen Benzinmotor haben. Hier hält man nichts von Akku betriebenen Kettensägen, Motorsensen, Schneepflügen, Kreissägen, Elektorautos und anderen Geräten des modernen Klein-Bauernstandes.
Gleich hinter unserer Hecke, gibt es ein Karussell. Es besteht aus einem alten Traktor. Auf der Ladefläche sitzen Mutter, Opa und Schwester, während der Bua das knatternde Teil in ewigen Runden über das Grundstück rumpeln lässt. Der Opi brüllt dazu Etzes in den Abend.
Nachher gehts zum Holzschneiden. Mit der Motorsäge. Das macht der Opi. Zum Glück ist der Opi schon etwas dick und alt, und er hält nicht mehr Stunden durch – wie früher.

Und um viertel nach sechs am Morgen, muss ein anderer Opi irgendwas auf seinem Grund – vor unseren Fenstern – mit dem Kangohammer bearbeiten. Aber nur so bis ca. 7 Uhr. Bis er sicher sein kann, das wir auch alle wach geworden sind.

Aber vermutlich sind auch diese Opis, Mütter, Schwestern und Buas der absoluten Überzeugung, dass die Stadt ein lärmendes Drecksloch ist, während es am Land ruhig und gemütlich zugeht.

Es könnte sich bereits um eine Verschwörungstheorie handeln …

Die Einheit der Blase

Ich finds gut, wenn deutsche Linksfaschisten auf die Reinheit einer Literaturverantaltung wert legen, und mit Gewaltandrohung eine Ausladung der Kaberettistin Lisa Eckhardt erwirken. Irgendwer muss darauf schauen, dass die Reinheit und Einheit ihrer Blase gewahrt wird.

Ebenso ist es zu begrüßen, dass deutsche Coronazis für die Freiheit des Wortes einstehen, und vor allem auch für die Freiheit anderen schaden zu können.
Wir können das alles nur begrüßen, denn Deutschland muss mal wieder die Lok machen, wenn schon in Spanien, Frankreich, Italien und Skandinavien auf solche Dinge zu wenig acht gegeben wird, und der Widerstand gegen entartete Kunst und Kultur, und die Beschneidung von Freiheitsrechten zu wünschen übrig lässt.

Es ist an der Zeit, dass man in Deutschland wieder Mut tankt, und der Welt zeigt, wie es richtig gemacht wird.

Ich finds auch richtig, dass normale Linke sich auf die Seite der Linksfaschisten schlagen, weil der Rechtsfaschismus einfach noch schlimmer ist. Und es macht die Sache auch einfacher. Das ist wichtig für’s Gemüt.

Was man nicht stoppen kann, muss man beschleunigen.
Oder mit dem schönen Schluss von Célines „Reise ans Ende der Nacht“ gesagt:

„Von fern pfiff der Schleppdampfer; der Ruf hallte über die Brücke, über noch einen Bogen, noch einen, über die Schleuse, eine weitere Brücke, weit, noch weiter … Er rief alle Lastkähne des Flusses zu sich, alle, und die ganze Stadt, und den Himmel und die Landschaft, und uns auch, er trug alles fort, die Seine auch, alles, damit das alles ein Ende hat.“

Ich vergaß

noch mal auf einen richtig guten Roman hinzuweisen, den ich für den „Literarischen Monat“ kurz besprochen habe.

Ich habe bereits zweimal in diesem Blog darauf hingewiesen.
„Zurück aufs Eis“
von Susann Klossek und Hartmuth Malorny

Für 14 Euronen bekommt ihr nichts besseres, außer einen Bungee-Sprung ohne Seil.
Lisez!

Und by the way: heppy Börschti Schweizer Eidgenossenschaft!