3 x Jürgen Ploog

1983 lebte ich mit meiner Freundin in einem alte Kraftwerk im Hinterland von Basel, wo wir uns von Brennesseln und gestohlenem Rosenkohl ernährten, und eine gute Zeit hatten. Als mal ein bisschen Geld da war, fuhren wir mit dem Zug nach Bern, wo im Tierpark Dählhölzli – auf Einladung von Bernhard Streit- Jürgen Ploog eine Lesung geben würde.
Da sah ich ihn, zum ersten und einzigen Mal, wie er durch den Saal schritt, in seinem fuckin’ Trenchcoat, und sich die Handvoll Leute ansah, die seinetwegen gekommen waren.

Die Nacht verbrachten Karin und ich auf dem Berner Bahnhof im Kreise von Obdachlosen und anderen obskuren Figuren, die der Bahnhof Zuflucht bot.

Mehr als 20 Jahre später wurde ich angefragt, ob ich nicht bei Songdog eine Neuauflage seines „Ploog Tankers“ machen wollte. Songdog stand am Anfang, und ich wusste, dass das aufwändig gestaltete Buch nicht nur wie ein Wackerstein im Regal liegen bleiben würde, sondern mich, den Verlegeranfänger, ruinieren würde, bevor ich richtig angefangen hatte.
Ich lehnte ab.

Das nächste Mal, dass ich mit ihm zu tun hatte, war, als ein durchgeknallter Dichter sich bei mir meldete und mir eröffnete, dass Jürgen Ploog, falls es ihm gelänge einen Verlag aufzutreiben, mit ihm ein Buch machen würde. „Counterpoems“ (oder sowas in der Art) nannte sich das. Und als ich Ploog nach der Bedeutung dieser Schreibart fragte, erklärte er es mir, in wunderbar müder herablassender Art.

Mich haben seine Texte nicht erreicht, so wie mich die Bücher von Burroughs kalt ließen, Cut-up, Dada, und die indischen Singspiele von Allen Ginsberg.

Ich spielte – und spiele noch immer- in der Mannschaft von Kerouac, Bukowski und Jörg Fauser.

Aber es liegt an mir. Versteht sich.

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