Blumberg 2

Zwei Jahre nach dem Roman „Blumberg“ erscheint nun im Sommer 2020 „Blumberg 2“ (Die Wachswalze).
„Blumberg 2″ schließt nahtlos an den Vorgänger „Blumberg“ an.

„Ein Autounfall in den Bergen, eine Unterschlagung und eine prekäre Situation zuhause bringen Isa Blumberg dazu – im Auftrag von Demian Hesse – die Ursachen jenes Unfalls zu recherchieren. Dabei ist auch Düzen mit ihrem kleinen Sohn, die aber gefährlich mehr vor hat, als nur die Taxilenkerin für Isa zu spielen. Die Recherche über den Hergang des Unfalls, bei dem ein amerikanischer Onkel von Demian Hesse schwer verletzt wurde, und der einheimische Fahrer ums Leben kam, führt Isa Blumberg zurück in eine hundert Jahre zurückliegende Geschichte von Obsession, Verrat und Mord.“

 Wer bis Ende Juni subskribiert erhält den Roman versandkostenfrei nach Hause geliefert. 

ca. 300 Seiten, Klappenbroschur
€  20.-  /sfr. 25.- 
ISBN 978-39504833-6-9  

Edition BAES

Wer den ersten Teil „Blumberg“ mitbestellt erhält beide Romane, versankostenfrei, für € 33.-  /   sfr. / 40.-

Zu bestellen unter dieser E-Mail-Adresse: andreasniedermann@hotmail.com
oder beim Verlag 
office@edition-baes.com

3 x Jürgen Ploog

1983 lebte ich mit meiner Freundin in einem alte Kraftwerk im Hinterland von Basel, wo wir uns von Brennesseln und gestohlenem Rosenkohl ernährten, und eine gute Zeit hatten. Als mal ein bisschen Geld da war, fuhren wir mit dem Zug nach Bern, wo im Tierpark Dählhölzli – auf Einladung von Bernhard Streit- Jürgen Ploog eine Lesung geben würde.
Da sah ich ihn, zum ersten und einzigen Mal, wie er durch den Saal schritt, in seinem fuckin’ Trenchcoat, und sich die Handvoll Leute ansah, die seinetwegen gekommen waren.

Die Nacht verbrachten Karin und ich auf dem Berner Bahnhof im Kreise von Obdachlosen und anderen obskuren Figuren, die der Bahnhof Zuflucht bot.

Mehr als 20 Jahre später wurde ich angefragt, ob ich nicht bei Songdog eine Neuauflage seines „Ploog Tankers“ machen wollte. Songdog stand am Anfang, und ich wusste, dass das aufwändig gestaltete Buch nicht nur wie ein Wackerstein im Regal liegen bleiben würde, sondern mich, den Verlegeranfänger, ruinieren würde, bevor ich richtig angefangen hatte.
Ich lehnte ab.

Das nächste Mal, dass ich mit ihm zu tun hatte, war, als ein durchgeknallter Dichter sich bei mir meldete und mir eröffnete, dass Jürgen Ploog, falls es ihm gelänge einen Verlag aufzutreiben, mit ihm ein Buch machen würde. „Counterpoems“ (oder sowas in der Art) nannte sich das. Und als ich Ploog nach der Bedeutung dieser Schreibart fragte, erklärte er es mir, in wunderbar müder herablassender Art.

Mich haben seine Texte nicht erreicht, so wie mich die Bücher von Burroughs kalt ließen, Cut-up, Dada, und die indischen Singspiele von Allen Ginsberg.

Ich spielte – und spiele noch immer- in der Mannschaft von Kerouac, Bukowski und Jörg Fauser.

Aber es liegt an mir. Versteht sich.

Kauft mir ein Auto! Bitte.

Ich ertrage die Schamlosigkeit meiner Mitmesch*innen nicht mehr.

„Der Verlust der Scham ist das erste Zeichen von Schwachsinn.“ , soll S. Freud gesagt haben. Wer immer es auch gesagt hat, ich habe keinen Grund, ihm nicht zu glauben.
Jede Fahrt in öffentlichen Verkehrsmittel ist ein Beweis dafür. Und eine Folter.
Ich verstehe jeden Autofahrer, und ich verstehe nun auch, warum sie es vorziehen stundenlang in Staus zu stehen, anstatt Bahn, Bus oder Tram zu nehmen. Es scheint alles besser zu sein, als der Schamlosigkeit und Rücksichtslosigkeit der anderen ausgesetzt zu sein.
Ich habe keinen Führerschein und ich habe kein Auto. Aber das lässt sich ändern.

Warum gibt es noch keinen CO2-Fußabdruck für schwachsinnige, laute Handygespräche? Warum keinen für das Gefiepe von Handyspielen, warum keinen für extrem dämliche Äußerungen, und warum keinen für seppelblöde Visagen?
Die sind der eigentliche Grund für den CO2-Ausstoß von Autos.

Wieder mal?

Noch vor einigen Jahren war Deutschland das coolste Land in Europa.
Was ist es jetzt?
Schon wieder das Land der zu kurz Gekommenen, denen die Demokratie schon wieder zu anstrengend ist.
Das Land, in dem man Faschisten in Talkshows einlädt und Verständnis für ihren Hass und ihre Dummheit aufbringt.
Wie sieht’s eigentlich in Spanien aus? Ein Land, dass es Corona-mäßig fünffach so schlimm erwischt hat? Italien? England? Man hört so wenig von den dortigen Eso-Verschwörungs-links-und rechts-Corona-Antisemiten-Faschisten.
Es ist Deutschland. Wieder mal?

Neusprech

„Was macht das mit Ihnen?“, so wird der Talkgast heutzutage gefragt. Auch sonst. „Was macht das mit dir?“
Noch vor kurzem war die Frage: „Wie geht es dir damit?“
Und noch etwas früher: „Wie kommst du damit klar?“
Noch früher: „Mach was draus.“

Ja. Was macht das mit uns? Es macht uns alle zu Opfern.
Ich kann nichts dazu, es macht etwas mit mir. Es hat mit mir gemacht, dass ich vollkommen ausflippen musste, als ich sah, wie sie bei Rot die Straße überquerte. Dieser kurze Rock hat mit mir gemacht, dass ich ihren Arsch tätscheln musste.
Es passt in diese geile Zeit, wo jeder das Opfer eines anderen Opfers ist.
Und weil „es etwas mit mir macht“, bin ich auch nicht mehr verantwortlich für meine Handlungen.

I was lovin’ the lockdown

„Deshalb zwingt uns die Seuche zu widernatürlichem Verhalten. Wir meiden Sozialkontakte. Wir kämpfen, wir fliehen nicht, wie wir es im Moment der Gefahr sonst tun würden. Wir sitzen still, tun nichts, warten. Wir haben gelernt, dass nur das richtig ist, aber es fühlt sich falsch an.
meinte ein Kolumnist in einer Zeitung.

Wie falsch kann denn einer überhaupt liegen? Fragte ich mich. Zumindest, was mich betrifft.

Gestern, nach einer Wanderung wieder mal in einer Tram. Von Grinzing zum Schottentor.
Gelärme, unausgesetztes, geistesgestörtes Handygequatsche von matschbirnigen Mitmenschinnen, die man in einer Tram nicht fliehen kann. Ich stieg zwei Stationen früher aus. Volle Straßen, volle Gehwege. Wozu?
Wie schön war doch der Lockdown mit seinen Geistertrams? Wie wunderbar, die leeren Straßen, wie erholsam, dass der Mitmensch nicht rumlärmen durfte, wie süß seine Furcht bei Begegnungen.
Die „neue“ Normalität ist so gestört und hassenswert wie die alte. Es ist erstaunlich, wie klaglos wir die Scheiße akzeptieren. Wie langweilig und spießig sie ist, diese Normalität, die alle wieder zurückhaben wollen.
Ja, ich weiß: Die Wirtschaft.
Aber da ich in der Zeit der „neuen“ Normalität auch nicht ins Anzengruber gehen kann, und sowieso nicht wegfahren, so hege ich doch die Hoffnung, auf einen neuen Shutdown.

It was very nice. I was lovin’ it.

Faschisten-Attacke

„Was mich schockiert, ist die unverhältnismäßige Gewalt gegen die Presse“,  sagte Harald Ortmann, Geschäftsführer der Produktionsfirma TV United, die in Berlin gedreht hatte, dem SPIEGEL. „Das war keine normale Prügelei, das hatte eine neue Qualität.“

Was wär denn, so frage ich, die „verhältnismäßige“ Gewalt gegen die Presse? Anstatt Faustschläge nur Watschen? Anstatt Tritte in die Eier, Kopfnüsse?

Man kann an der Sprache dieses Produzenten erkennen, wie sehr die Faschisten schon in die weichen Birnen eingedrungen sind.

Dann haben wir da noch den „feigen Angriff“. Reicht „Angriff“ allein nicht aus? Wieso feige? Welcher körperliche Angriff auf die Presse wär dann ein mutiger Angriff?

„Das war keine normale Prügelei“.
Er weiß nicht was eine Prügelei ist. Er weiß es nicht, denn er hat sich noch nie geprügelt. Er weiß nicht, dass prügeln ganz anders geht. Wenn jemand überfallen und verprügelt wird, nennt man es nicht „Prügelei“. Man nennt es einen Überfall.

Sie wissen nicht, von was sie reden. Sie sind der deutschen Sprache nicht mächtig.

Es war ein Angriff von Faschisten auf die Presse. Punkt.

„Wir stehen an Eurer Seite! Lasst Euch Euren Humor und Eure Leidenschaft nicht nehmen von feigen Gewalttätern“, schrieb etwa Außenminister Heiko Maas (SPD).

Nein, Heiko Maas, du/ihr steht nicht an deren Seite. Niemand hat dich/euch gesehen, als es losging und die Leute angegriffen wurden.

Vielleicht wär’s an der Zeit für einen feigen Gegenangriff?

Der Klempner

Ein Künstler sei nichts anderes als ein Klempner, der Kunst macht. Oder wars: ein Künstler arbeitet wie ein Klempner? Anstatt Rohre zu verlegen, mache er eben Kunst. Der Künstler. Darum her mit der Penunze! Meinte einer in einem Radiointerview.

Jay Haslinger verkündete in den Haider-Jahren, „dass er wohl Schriftsteller, aber damit nicht automatisch für politische Statements qualifiziert sei. Man könne eben so gut einen Klempner befragen.“
Da hammern schon wieder, den Klempner. Aber natürlich ließ Jay Haslinger kein Mikro aus. Vermutlich fand sich gerade kein Klempner, der Zeit hatte.

Wir hatten unlängst einen verdammt guten Klempner, der unser Klo neu einrichtete. Schnell, preiswert und sauber gearbeitet. Schätze, er war oder ist jetzt arbeitslos. Ich hoffe, ich schreibe annähernd so gut wie er klempnert.
Das Ding ist halt: als Klempner kannstes irgendwann. Als Autor nie wirklich.
Aber als Künstler-Klempner, biste nie arbeitslos. Nur werde ich für meine Arbeit eigentlich kaum oder gar nie bezahlt. Ich kann auch nicht auf’s Arbeitsamt gehen.

Und irgendso’n Hartzer oder Notständler zu sein, ist einfach zu einfach. Tippen und hartzen (oder wie das hier heißt?)
Ich könnte auch klempnern. Ich bin ziemlich gut in allem. Hab ich ja auch schon gemacht. Damit ich nachher schreiben konnte.

Wenn ich Klempner wär, würden die Leute mir die Füße küssen. Ich wäre gern gesehen. Ich würde etwas nützliches tun. Verstopfte Klos reparieren und solche Sachen. Wasserrohrbrüche beheben. Fette Rechnungen schreiben. Und alle würden’s okay finden, denn so ein überlaufendes Klo und/oder ein Wasserrohrbruch bringt den Blutdruck irre schnell nach oben, und macht aus einem in Sekunden eine Covid-19 Risikoperson.
So ein Klempner arbeitet also auch noch im Gesundheitswesen.
Und was macht der Künstler?
Eben.