Covi-Diary (15)

Eigentlich war geplant, dass ich heute etwas meine gute Freundin „Die Angst“ schreibe. So wie Steve Earl einen Song über „My old friend the Blues“ geschrieben hat. Muss wohl warten. Das liegt daran, dass ich heute einkaufen war, und wieder mal dem Mitmensch begegnet bin. Sie waren so ziemlich alle gegen Covid 19 immun. Abstand war etwas für Pussys. Man spuckte im engen Supermark beim Telefonieen herum, wie ein Kellner, der in einem Lokal in Ischgl die Trillerpfeife bläst.

Morgen soll es in Supermärkten eine Maskentragepflicht geben. Das wird bestimmt lustig für die Securytis, die nun den Immunen erklären dürfen, dass sie nicht reinkommen, wenn sie das Tuch nicht vor ihre Idiotenvisagen spannen.

Ich hoffe, sie engagieren für den Job jene Typen, die sonst die Türe in den angesagten Clubs machen, und die es gewohnt sind, dass alle naslang ein drogenveralkoholisiertes Arschloch anrennt und wieder einmal beweisen will, was für ein hartes Kerlchen er doch ist. Ein Individualist gar. Einer der sich von niemandem was sagen lässt.

Und der Mitmensch hier ist Individualist. Während der asiatische Mitmensch daran interessiert ist, dass die Dinge funktionieren und dass der Nächste nicht unbedingt Schaden nimmt, geht es dem hiesigen Mitmenschen darum zu zeigen, wie groß sein Ego ist.

Ja, Scheißerles, Misanthropie ist ein Zeichen von Fantasie und Intelligenz. Und ein Misanthrop ist in etwa so ein schlechter Mensch, wie ein Gutmensch ein guter Mensch ist.

Habe ich etwa schlechte Laune? Aber nicht doch. Es ist Quarantäne, mir geht’s gut. Und so wie sich der Mitmensch gerade benimmt, wird sie noch lange, lange dauern.
Ich sag das jetzt nicht gern, aber mir tun die Cops leid, die am Wochenende Dienst haben, wenn es in den Parks und den bekannten Promenaden Wiens zugeht wie am Münchner Oktoberfest.

Halleluja, Scheißerles, des wiad a Gfrett …

Covi-Diary (14)

Dies ist der 1475-ste Blogeintrag, seit Ende 2009. Glaube ich. Aber das kann ja jeder nachprüfen. Und jede, natürlich auch. Es fehlen also noch 25 Einträge bis zum Jubiläum (1500). Ich schätze mal, dass bei 1500-sten Eintrag „Covo-Diary (39)“ stehen wird. Danach mag es weitergehen. Wie? Ich weiß es so wenig wie jemand anderes.

Wir haben hier ja gerade noch die „Schöne Kalt-und-Fenster-zu-Jahreszeit“, und ich bin dankbar dafür. Denn diese Saison geht normalerweise in die lärmige „Jetzt-ist-fuckin’-Frühling-Straße-Aufreißzeit“ über, und wird dann abgelöst von der „Wir-machen-stumpfsinnige-Partys-bei-offenen-Fenster-Zeit“, die in die „Lärm-und-Höllen-Hitze-Saison“ übergeht, bis es dann im Herbst wieder etwas netter wird.

Das ist es ja, was ich an dieser Corona-Zeit (trotz allem Ungemach) so schätze: Der Mitmensch verhält sich endlich einmal nicht wie ein Kleinkind das unausgesetzt gegen eine Holzverschalung kickt, sondern angemessen: Zurückhaltend, distanziert.
Aber wie lange noch?

Fuck it. Ich versuche es zu genießen und mir Strategien zurecht zulegen, die mich die nächsten anrollenden Jahreszeiten überstehen lässt.

Hold on, Shiterles!

Covi-Diary (13)

Zuerst dachte ich, dass man die Toten auch schon unter Qurantäne gestellt hatte, aber dann sah ich, dass das Tor zum St. Marxer Friedhof weit offen stand. Also ging ich hinein. Wollte ich schon immer mal tun. Vor vielen Jahren schon, als der Friedhof an meiner Laufstrecke lag. Aber da ich am Laufen war, lief ich immer vorbei. Heute nicht. Schon beim Tor wird einem schriftlich mitgeteilt, dass dies der letzte noch bestehende Biedermeierfriedhof in Europa sei.

So sieht’s aus. Das ganze Areal. Und sobald sich der Frühling durchgesetzt hat, wird man nur noch Blätter und Äste sehen. Und dieses Foto wär einfach grün.

Ich bestaunte unter anderem ein verdammtes Monument von einem 1837 gestorbenen Kutscher, ein Grabmal wie von einem Fürst, 3 Meter hoch, wuchtig, massig, massiv. Ein fuckin’ Kutscher!
Aber vermutlich kutschierte er nicht unserereiner, sondern die Mätressen des Hofstaates oder gar des Kaisers, und ich musste wieder einmal an den wunderbaren kleinen Roman von Josph Roth denken, „Die Geschichte von der 1002. Nacht“, an die „Mizzi Schinagl“ die in einem Hurenhaus auf der Wieden gearbeitet hat, und die Geliebte des Schah von Persien wurde. Warum? Nur weil sie einer edlen Dame ähnlich sah, auf die der Schah ein Auge geworfen hat, und die er begehrte. Und da man in Wien dem Schah nichts abschlagen wollte, unterjubelte man ihm die Mizzi Schinagl, die „Auf der Wieden“ zuhause war, wie ich. Das ist halt eben auch Wien. Lebendig auf einem Biedermeierfriedhof. Und Joseph Roth.
Und schinageln ist das rotwelsche Wort für „arbeiten“, ein Wort, das wir in den siebziger Jahren von den Jenischen übernommen hatten, wir, die abgesprungenen Kinder des aufstrebenden Proletariats, wir, die wir unsere Väter verraten haben, und von ihnen verraten wurden.
Long time ago. Sowohl 1837, Mizzi und auch die Siebziger. Lange her, aber noch nicht verblasst.
Als ich dann weiterging, beschloss ich wieder Joggen zu gehen. Zumindest einen Versuch zu starten um herauszufinden, was mein rechtes Knie dazu meinte, ob es einverstanden war oder ob es das gar nicht ab konnte.

Und sonst? Das Übliche. Mehr Infizierte, mehr Genesene, mehr Tote, mehr mehr.
Was soll’s? Stehen wir’s halt irgendwie durch, nicht?

P.S. Wie ich Banause eben erfahren habe, liegt Mozart auf dem Friedhof.
Asche auf mein Haupt!

Covi-Diary (12)

Auf der Bank war man über meinen Auftritt geteilter Meinung. Sie reichten von: „Hahaha-das-ist-gar-keine-echte-Pistole“ (ist sie doch!), über „Sie kommen zu spät, mein Guterle, der Kollege Turrini war schon vor ihnen da“, bis „Die Atemschutzmaske kann einem ja Angst machen“.
Man glaubte an einen Witz. Und wie ein Witz ohne Pointe schlich ich wieder zurück in meine Quara, und bestrafte mich mit einem alkoholfreien Abend.

Am Morgen erwachte ich mit dem Blues. Es war das erste Mal, dass mich die Erinnerung an vergangene Tage, etwas traurig stimmten. Damals, als man noch nichts von Covi-Arschloch wusste. Und ich dachte ein wenig an die Siebzieger Jahre, an die ich so gerne denke, und vor allem daran, wie die Mädchen damals waren, als der Sex gerade erfunden worden war.

Überhaupt. Erinnerungen. Als ich neulich auf einer meiner Stadtwanderung unterwegs war, fiel mir ein, dass jede Ecke dieser Stadt eine kleine Geschichte mit mir hat. Wohin ich auch blicke: Mir fällt eine Story ein oder ein bestimmtes Gefühl wird wieder lebendig. Ja, so wie der 1. Bezirk voller Erinnerungen an jene erste Zeit ist, in der ich einsam, völlig abgebrannt und hungrig auf der Suche war. Nach irgendwas. Bis hin zu weggeworfenen Zigarettenkippen. Far away from home, das ich nicht mehr sehen wollte.
Und dann denke ich, welch ein Romantiker ich doch war und bin, und wie gut es ist, dass ich es war und bin, denn es ließ mich all die Scheiße unbeschadet durchstehen, denn ich hatte die Literatur, die Mythen, die Vorbilder, den „Zwang zur Prosa“, wie es Fauser mal ausdrückte.

Nun denn. Heute las ich, dass man auch hier in Vienna, dem Vorbild Italiens folgen möchte, und in den offenen Fenstern musizieren wolle.
Yeah, Scheißerles, ich hab doch geahnt, dass ihr einen verdammten Weg finden werdet, mir trotz Qurantäne auf den Sack zu gehen.

Oder wie es im tollen Berlin-Roman „Gehwegschäden“ heißt: „Musik gegen Terror? – Die Musik ist der Terror!“

Covi-Diary (11)

Und was gibt es sonst noch?
Nichts.
Vielleicht die Frage, ob es mich freuen soll, dass für einmal nicht nur ich, als „Kulturschaffender“ pleite bin, sondern etliche Kollegen und Kolleginnen ebenso. Zumindest tun alle so, und stürmen die HP’s mit den Antragsvormularen für was-weiß-ich-für-Verdienstausfallsentschädigungen.
Aber warum sollte mich das freuen? Darauf hab ich keine Antwort. Wie auf den Rest auch nicht.
Andererseits sieht es ganz danach aus, als würden endlich mal jene sichtbar, die die schweren Jobs in dieser fuckin’ society haben. Nein, nicht wir fleißigen Umsonstos, sondern jene, die nichts verdienen und den ganzen Scheiß erledigen: Krankenpfleger, Altenpfleger, Supermarktangestellte, Erntehelfer und so weiter.
Und wenn der verdammte Höllenspuk vorbei ist, werden sie mit Sicherheit wieder in die Unsichtbarkeit zurückfallen, und niemand wird ihnen mehr applaudieren.
Aber ich kann mich irren. (Was natürlich einen Tautologie ist, denn Irrtum is my second Initial.)
Wie dem auch ist und werden wird: Bei fällt nichts aus, was ich auf ein Antragsformular schreiben könnte. Ich bin einfach ganz normal blank. Und so warte ich, wie schon tausendmal in meinem Leben, auf ein Wunder. Andere warten auf die Erhörung ihrer Klagen beim Amt, ich warte auf ein Wunder. Ich bin Schüler von Henry Miller. „Zwischen mir und der Zukunft steht eine Mahlzeit.“
Oder aus „Siddharta“: „Ich kann denken, ich kann warten, ich kann fasten.“
Oder wer’s gern katholisch mag: „Ich kann nicht tiefer fallen, als in Gottes Hand.“

Man kann natürlich auch aktiv werden. (Siehe Bild unten)
Schätze mal, das Ding kommt auf mein nächstes Buch.

Falls ihr Scheißerles für diese erbaulichen Wortspenden auch spenden wollt, so macht aus eurem Herzen keine Mördergrube, und meldet euch bei: andreas@niedermann.at
Unter dem Betreff: I am your wonder!

Bildtitel:
Kreativer „Kulturschaffender“ kurz vor dem Besuch einer Bank.

Covi-Diary (10)

Ich schätze mal, es ist eine Frage von Tagen und Wochen, bis man an uns Alte und Gefährtdete herantritt und mit eindringlichem Unterton in der Stimme fragt, ob wir nicht auch der Meinung sind, dass man Opfer bringen müsse. Alle. Aber besonders wir, die Alten, die, die schon herumgelebt haben, und von denen einige nur noch das Grab als Zukunft im Blick haben.

In Russland soll es bereits soweit sein: Die Alten und Gefährdeten werden isoliert.
Man wird auch hier nicht darum herumkommen, sollte nicht noch irgendein weißer Schwan auftauchen, der den schwarzen verjagt und uns rettet. Denn wenn nicht, geht die Wirttschaft vor die Hunde, und wenn die Wirtschaft geht, wird uns unser altes Leben auch nicht mehr viel nützen.

Ich bin bereit, mich zu opfern.

Wir sollten, wie es in Pestzeiten üblich war, mit einer Klapper ausgerüstet werden. Damit man uns großzügig Platz machen kann. Wir sollten auch Lokale kriegen. Zum Beispiel das Billardzimmer im Anzengruber. Mit separatem Eingang.
Diese Klapper kann durchaus elektronisch sein. Eine App, die Vibrationen bei anderen Handys auslöst, wenn wir dahertappen. Oder kleine Stromstösse (Auch die Jungen müssen was opfern, damit wir auch ein bisschen Spass haben). Und wer nicht den uns gebührenden Abstand einhält, bei dem sollte ein unwiderstehlicher Harndrang ausgelöst werden, damit er sich einnässt.

Man sollte uns auch einen Teil des wirtschaftlichen Erfolgs in Form von Penunze abtreten. Damit wir uns im Billardzimmer des Anzengrubers ein paar Flaschen Chivas Regals bestellen können.

Wie gesagt: Ich bin bereit.
Denn wenn nicht, werde ich vermutlich als Erntehelfer anheuern müssen. Denn ich bin pleite. Als „Kulturschaffender“ sowieso, und auch sonst.

Also lasst hören, ihr Scheißerles!

Covi-Diary (9)

Heute dachte ich an Paris. Und ich dachte daran, dass ich damals, 1980, ein Zimmer im Hotel Polonia gemietet hatte, für zwanzig Franc pro Tag. Wenn ich die Tür öffnete, blieb zwischen ihr und Bett gerade noch ein Spalt von zwei Franc-Stücken. Am Fussende des Bettes gab es einen Hocker, und einen Tisch von der Größe von zwei Taschenbüchern. Ein Minifenster, auf die Gasse hinaus.
Warum ich daran denke? Weil ich mir vorgestellt habe, nun gerade jetzt in Paris, in diesem Zimmer zu sein. In Quarantäne. Ein Zimmer, kleiner als jede Gefängniszelle, ein Zimmer, wie viele andere. Denn in Großstädten lebt man nicht in den Zimmern, sondern draußen, in der fuckin’ Stadt. Wer darüber etwas lesen mag, kann sich Bücher von Paul Nizon besorgen, der hatte darüber einiges zu sagen.

Nun lebe ich luxuriös mit Frau und Tochter auf etwa 80-90 m/2, habe einen Schreibtisch, und im Flur steht ein Fahrradergometer. Es gibt eine Küche, in der ich herumwerken kann, es gibt Supermärkte in denen ich einkaufen kann. Es gibt Internet. Netflix.
Damals in Paris hatte ich nur Bücher und eine Polaroid-Kamera. Ich ernährte mich von Paté et flutes. Manchmal ging ich runter in die Kneipe gegenüber, in der schweigsame Araber saßen, und trank einen Demi oder zwei.

Ich besuchte nicht das Grab von Jim Morrison. Ich besuchte das Grab von Joseph Roth.

Ich kenne die Enge in Paris. Das ist nicht lustig, diese Ausgangssperre.
Heute denke ich an Paris.

Covi-Diary (8)

Schon länger stelle ich mir die Frage, warum man den Mitmenschen nicht hassen soll, wenn er sich hassenswer benimmt? Gut, für Christenmenschen stellt sich diese Frage nicht, da sie den Mtmenschen gerade als hassenswertes Individuum lieben müssen.
Ich finde, die Christen machen es sich da ein wenig einfach. Aber vermutlich belügen sie sich auch. Manche mehr, andere weniger.
Andererseits ist Mitmenschenliebe natürlich enorm anstrengend, und braucht bestimmt lebenslanges Training, wie das der Buddhisten, die aus dem fuckin’ Samsara rausgleiten wollen. Und dann sitzen sie da und haben keine Begierden mehr. Nicht mal mehr nach Bourbon, Bier, Sex, Netflix und Klopapier.
Aber der Christ soll ja nicht nur rumsitzen (tun die Buddhisten ja auch nicht wirklich). Er soll ja auch was tun. Tätige Nächstenliebe. Was in meinen Ohren klingt, als soll man Distanz halten, und dem Mitmensch nicht auf den Sack gehen.
Sieht der Christ vielleicht ein bisschen anders.
Was soll’s?

Aber was macht man mit seinem Hass, wenn er einem zu anstrengend wird (Das ist er nämlich)? Man wandelt ihn um. Ich meine, man versucht es. Je nach Temperament. Und was kommt dem Hass am nächsten, was ist sozusagen das „Softball“ des Hass-Baseballs?
Was kommt ihm am nächsten, ohne denselben brutalen Ausdruck zu fordern?
Ich würde sagen, es ist die Verachtung. Ja. Die gute, alte Verachtung, die schon von Camus so hoch gelobt wurde. Bei Camus gilt sie allerdings nicht so sehr dem hassenswerten Mitmenschen, sondern dem eigenen Leben. So wie Sysiphos sein Schicksal verachtet, wenn er seinen ewigen sinnlosen Job macht. Das hat Klasse.

Find ich gut. Hilft.

Soviel für heut, ihr Scheißerles!

Covi-Diary (7)

Wird’s jetzt langweilig?
Vielleicht. Ich höre gerade C.B’s. „Poems and Insults“ und studiere seine Eigenart am Ende der Zeile den Ton zu erhöhen, und wie er die Worte zerkaut, und wie das Publikum gackert und wiehert und applaudiert und Zwischenrufe macht. Eine fuckin’ Dichterlesung! Wo gibt’ so was noch? Spass und Freude und Schlägereien an Dichterlesungen? Vermutlich jeden Tag. Aber jetzt nicht. Ganz bestimmt nicht.

Inzwischen haben sich die Kloaker vom Scheißhauspapier abgewendet und stürzen sich auf Küchenrollen. Wenn das keine Pathologie ist, was dann? „Ganz natürlich“, wie ein vertrottelter Hirnforscher meinte.
Gut. Das waren auch die letzten Zeilen über die Kloaker. Versprochen.

Selbstgemachte Ravioli mit Pilzen, Auberginen, Stangensellerie, Petersilie und Formaggio. Lasagneblätter für morgen. Ebenso Sugo. That’s fuckin’ cooking. War schon immer so: Wenn nirgendwo was läuft, in der Küche läuft immer was.

Nach Johnny B. Good ist jetzt „Hey, Joe“ dran. Es könnte deprimierend sein, so wenig Talent für’s Gitarrespiel zu haben, ist es aber nicht. Warum? Nun ja, Musik ist schwer. Und ich habe keine Ambition außer Haus zu spielen.

Der 7. Band Wolfgang Pohrt ist durch und ich radle in Eike Geisel hinein, der zufällig den selben Zeitraum, so um die neunziger Jahre in Germanien, aufreißt.
Es tut mir unendlich leid, dass ich die beiden nicht schon früher kennen gelernt habe. Sovieles wär mir erspart geblieben. Soviel Scheiße von Links wär an mir abgetropft.
Nun denn. Es ist nie zu spät. Außer, es ist zu spät.

Bis morgen, ihr Scheißerles!

Covi-Diary (6)

Es ist, wie man so sagt, ewig schade, dass Georg Kreisler, diese Tage nicht mehr erleben darf.
Sein Song ist Wirklichkeit geworden.

„ … Wie schön wäre Wien ohne Wiener
So schön wie a schlafende Frau!
Der Stadtpark wär sicher viel grüner
Und die Donau wär endlich so blau!
Wie schön wäre Wien ohne Wiener –
Ein Gewinn für den Fremdenverkehr!Die Autos ständen stumm
Des Riesenrad fallet um Und die lauschigen Gassen wärn leer
In Grinzing endlich Ruh Und’s Burgtheater zu –
Es wär herrlich, wie schön Wien dann wär! Keine Baustölln, keine Schrammeln …“

Auf meinem 3 Stunden Spaziergang, nichts als Cops in Mannschaftswagen, Geistertrams, die Lust machten sich zum Beispiel luxuriös nach „Dornbach“ kutschieren zu lassen. Ganz hinten sitzend. Allein, allein, allein. Aber ich tat es dann doch nicht, denn es war gerade so schön hier.
Wie schön und still ist Wien, wenn die Sonne scheint und der Mitmensch nicht lärmt, konsumiert, die Luft verpestet, rempelt, drängelt, spricht, schreit, furzt, frisst, schmust.
Wie schön ist Wien, wenn der Mitmensch zuhause bleibt, und sich am Anblick des gehamsterten Klopapiers und der Nudelpackungen erfreut.

Es ist die Zeit von uns 5/7 Misanthropen. Jetzt kommen auch wir einmal auf unsere Kosten. Gibt es Gerechtigkeit? Natürlich nicht. Wir werden für unseren Frevel, nicht unter dem Ausgehverbot zu leiden, schwer büssen müssen. Wenn dann alles wieder vorbei ist, und es schlimmer wird als zuvor. Wenn der Mitmensch anstatt des Klopapiers nun wieder den Lärm anbetet.

Egal. Jetzt ist es ziemlich großartig.

So schön ist Wien ohne Wiener …