Schweinebeineinsolvenz

Es gibt ein Bild, das dem Pimperl-Verleger Niedermann vors innere Auge zieht, wenn er den Namen Lojze Wieser hört. Dann nämlich sieht er den Kärtner Verleger, wie der an seinem Stand an der BUCH-WIEN steht, groß und bärig, vor dem prächtigen, cheminéeartig aufgebauten Massiv seiner Prachtbände, schwer und wuchtig wie Barren wertvollen Metalls, die ihre Bedeutung in die Buchwelt hinausholleien, wie der Bergsteiger seinen Gipfelruf.

Wieser ist umringt von Publikum. Da er auf einem Podest steht, überragt er alle um einen halben Meter, all jene, die ihm dabei zusehen, wie er mit einer dünnen scharfen Klinge den gepökelten Quadrizeps einer Wildsau zersäbelt, einer Sau, die er vermutlich eigenhändig in einem Maisfeld von Gotschuchen aufgespürt und mit der Saufeder abgestochen hat. So wirkt er. Zumindest auf unseren eingeschüchterten Pimperl-Verleger, der gerade dabei ist in sich zu gehen. Er muss sich fragen, ob ihn wieder mal der Neid benage. Der hässliche, gratscherte Neid auf die gebundenen Bücher, den Schinken, den Bart, das Publikum, den Ruf, und last but not least, auf die Subi. Und er muss es sich ehrlicherweise eingestehen: Er ist ziemlich neidisch. Nona. Wie sollte es anders sein?

Denn die eigene Produktion, die schmalen, broschierten Bände Prosa, und die noch dünneren Bändchen Poetry des Pimperl-Verlegers, verkommen, gleich schräg gegenüber, in einem Sammelstand, ludern zusammen mit zig anderen Pimperln auf den Regalen, und wirken gegen Wiesers Massiv wie Fix und Foxi Heftchen.

Aber der Pimperl-Verleger gibt vielleicht Fix und Foxi Heftchen heraus, aber er ist nicht dumm. Er weiß, was solche Prachtbände in der Herstellung kosten, und er weiß auch – wenn er die wenig berühmten Namen auf den Buchrücken liest – wieviel sich davon verkaufen lassen.  Was nur schon das Wildschweinbein gekostet hat? Die Standmiete. Der Transport. Das Personal. Aus dieser Marie schnitzt sicht der Pimperl-Verleger locker ein, zwei Jahresproduktionen von seinen Fix und Foxi Büchern.

Aber eben. Es ist Ösi-County. Und hier muss man noch nicht wahrhaben, dass Pracht und Schein noch keinen Inhalt ergeben, und dass es einfach nicht reicht, Subi-Geld in verlustreiche Unternehmungen zu pumpen, so edel, hilfreich und gut, ihr Credo auch sei.

Der Neid des Pimperl-Verlegers verflog. Nicht ganz, aber doch. Der Schinken duftete, aber unser Pimperl war Vegetarier. Er ahnte, dass dies auf Dauer nicht gut gehen würde. So Griechenlandlike. Schulden loswerden, indem man mehr Schulden macht. Und dann, wenn nirgendwoher mehr Kohle kommt, ruft man: Insolvenz, und beschimpft die Welt, weil sie nicht mehr lesen mag.

Heute hat der Verlag des Lojze Wieser, Insolvenz angemeldet. Es fehlt beinahe eine Million Euro.

Ich hoffe, dass wenigstens die Autoren zu ihren Euronen kommen. (Als Autor würd ich nicht darauf hoffen)

Nun zu etwas komplett anderem:

Heute habe ich die Abrechnung für einen Sammelband bekommen, in dem auch eine Story von mir drinnen ist. Er hat sich 749 mal verkauft. Mein Honoraranteil beträgt € 55,78.

Ist das nicht großartig?

Das sind die Labels in der etwas tiefer gelegten Fix und Foxi-Liga.

Natürlich, ohne Schweinebeine.

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