Das mit dem Denken kriegen wir auch noch hin…

Wer gerne kranke, kaputte Arschlöcher in einem kranken, kaputten Land in Aktion sieht oder lallende Crackhuren in verdreckten mexikanischen Hütten, der kann sich richtig freuen. Denn der neueste österreichische Film bedient diese Gelüste auf’s Vortrefflichste. Zum einen mit „Michael“ von Markus Schleinzer, der uns mit viel Liebe und Kunst vorführt, wie ein krankes Arschloch, ein Pädophiler, sich einen Jungen hält, ihn schlägt, einsperrt und missbraucht. Das muss man, falls man’s nicht selber erfahren hat, einfach gesehen haben.

Zum anderen zeigt uns Meister Glawogger am Venediger Lido, seinen neuesten Dok-Film „Whores‘ Glory“, und vor allem auch sich selber; posierend mit seidig gebürsteter Altmännermähne, 4,75 Tagebart und angetan mit schwerem Goldgeschmeide, so dass jeder gleich auf Anhieb erkennt: Aha, ein Künstler oder: Aha, ein Zuhälter, und fürwahr, Glawogger könnte so ein bisschen beides sein, warum auch nicht?, anstatt die Nutten selber zu knallen, schau ma sie im Kino an, da haben wir was gespart und sauber ist es auch.

Und natürtlich irrt die New York Times, wenn sie Wien als „Welthauptstadt der „feel-bad-movies“ bezeichnet, denn das Gegenteil ist wahr. Es sind „feel-good-movies“. Wo sonst, als im Angesicht solch freundlich und gekonnt aufbereiteter Horrorstories kann man sich als waches, an den Problemen der ganzen Welt interessiertes Individuum fühlen, als Mensch unter Kinogehern, einer, der sich den heutigen Problemen stellt?

Und wie die Filmemacherin Barbara Albert treffend anmerkte: „…manchmal wollen wir dem Zuschauer auch weh tun und ihn zum Denken anregen…“

Was wieder einmal trefflich gelungen ist.

(… und nichts ist schöner, als wenn der Schmerz nachlässt. Das mit dem Denken, kriegen wir dann auch noch hin…)

Und zum Glück gibt es auch noch Aki Kaurismäki.